DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (81)
 F o d o r h a u s e n

Es scheint, als wäre Fodorhausen (ung.: Fodorháza) ein Stiefkind der banater Geschichtsschreibung gewesen. Über die Entstehung des Schwabendörfchens kann man in den bekannten Nachschlagewerken kaum etwas finden. Aber meistens assoziieren fast alle Autoren, die Fodorhausen aufnehmen, das einstige Dörfchen mit dem einstigen Gemeindezentrum Gad (ung.: Gád). So ist Fodorhausen in den Bänden der Bücherreihe der Landsmannschaft der Banater Schwaben „Das Banat und die Banater Schwaben" mit Gad gleichgestellt. Das Schwabendörfchen ist im Buch als „Fodorhausen (Gad)" bezeichnet. Dasselbe tat auch Prof. Dr. Anton Scherer im „Donauschwäbischen Ortsnamenbuch", indem er Fodorhausen mit dem ungarischen Fodorháza und mit dem rumänischen Gad als dieselbe Ortschaft vorstellt, was aber so nicht stimmt, weil die Ortschaft Gad auch ungarisch Gád und nicht Fodorháza heißt. Nur Gheorghe Drinovan bringt ein wenig Licht in diese Sache, als er in seiner „Mikromonographie des Kreises Temesch" 1973 über das Dorf Gad aus der Gemeinde Tschakowa folgendes schreibt: „ (Im Jahre) 1956 - gehörte (Gad) zur Region Temeschburg (später Region Banat), zum Rayon Tschakowa, war Gemeindesitz, dem auch die Ortschaft Fodorhaza angehörte". Daraus folgt, daß 1973, als das Buch geschrieben wurde, Fodorhausen mit Gad zusammengeschlossen war und so das Schwabendörfchen nicht mehr als Ortschaft, sondern als Ortsteil von Gad geführt wurde. Dies ist auch selbstverständlich, da laut Valeriu Ureche beim Anschluß des Banats an Rumänien „Fodorhaz“ eines der nur zwei „Dörfer“ des Temesch-Torontaler Landkreises war, es gehörte schon damals zur Gemeinde Gad. Durch dem Erlaß des Innenministeriums Nr. 916 vom 16 März 1939 ist Fodorhausen als Dorf aufgelöst und in Gad eingegliedert worden.

Dies erkennt man auch im oben erwähnten 2. Band der Bücherreihe „Das Banat und die Banater Schwaben", in dem die Zahl der Deutschen aus „Fodorhausen" für 1910 mit 101 Personen angegeben wird, aber zugleich wird der Bevölkerungsanteil der Deutschen mit 8,9 Prozent verzeichnet, was eigentlich in Wirklichkeit für Gad und Fodorhausen zusammen entspricht. Im Jahre 1930 haben die 194 deutschen Volkszugehörigen einen Bevölkerungsanteil von 15,8 Prozent gestellt. Laut Dr. Scherer sollen im November 1940 in Fodorhausen 343 Deutsche erfaßt worden sein. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in der Ortschaft Gad zwei Personen zum Deutschtum.

Wie mir vor kurzem eine Fodorhausenerin persönlich berichtete, lag Fodorhausen etwa zwei Kilometer von Gad entfernt. Mit dem Gemeindezentrum Gad war die Siedlung nur durch einen Fußgängerweg verbunden. Aber auch Gad hatte nur sehr schwer passierbare Verkehrsstraßen, und so war es fast total von der Außenwelt isoliert. Zum jetzigen Gemeindezentrum Tschakowa gibt es so gut wie absolut keinen Verkehrsweg. Drei Feldwege führen nach Gier, Tschawosch und nach Dolatz. Verkehren kann man zur Zeit nur auf dem Temeschdamm, auf den man Schotter schüttete, um den Bahnhof des auf dem anderen Ufer der Temesch gelegenen Dorfes Rudna zu erreichen. Wie man aber hier die Temesch überquert, ist mir nicht bekannt, aber wahrscheinlich über eine Holzbrücke, weil die nächste befahrbare und auf den Landkarten aufgenommene Brücke sich flußaufwärts bei Cebza befindet. Der Weg zum etwa 5 km entfernten Bahnhof aus Gier ist bei Regenzeit auch nicht begehbar.

Über das Schicksal des eigentlichen Schwabendörfchens berichtete erst vor kurzem die „Banater Post". Hier ist zu erfahren, daß das einstige Fodorhausen, in dem außer drei ungarischen Familien nur Banater Schwaben daheim waren, gar nicht mehr existiert, nicht einmal als Ortsteil von Gad. Die letzten 260 Deutschen sind in den '70-er Jahren in die nahegelegenen deutschen Ortschaften Dolatz, Gier und Ulmbach (Neupetsch) umgezogen. Wie eine Augenzeugin berichtete, sind die leergebliebenen Häuser total verfallen, so daß das einstige Fodorhausen nur noch ein Trümmerhaufen ist. Stolz und aufrecht steht hier nur noch der Glockenstuhl. Die Glocke, auf deren Ruf sich die Gläubigen im in der Volksschule eingerichteten Bethaus zum Gebet versammelten, gibt es nicht mehr.

Die meisten Fodorhausener befinden sich heute auf der gesamten Fläche des Mutterlandes verstreut. Zusammengekommen sind sie zum erstenmal hier am 18. Mai 1997 in Reichertshofen beim ersten Fodorhausener Heimattreffen. Bei dieser Gelegenheit gründeten sie auch ihre Heimatortsgemeinschaft (HOG). Man könnte jetzt hoffen, daß nun die seit Jahrzehnten vorhandene Informationslücke über Fodorhausen mit der Erstellung eines Heimatbuches ausgeräumt wird.

Sollten die heutigen Pläne des Tschakowaer Bürgermeisters Viorel Ghera verwirklicht werden, so kommt die Errichtung eines Freizeitparks im 75 Hektar großen Akazienwald für die Fodorhausener Schwaben zu spät. Die Renovierung der zwei Jahrhunderte alten Schlösser aus Gad sollte die dortige Bevölkerung aus ihrer Isolation bringen. Aber viel wichtiger wäre aus unserer Sicht der Bau einer soliden Verkehrsstraße zur Gemeinde Gier, da die Errichtung einer Straße zum eigenen Gemeindezentrum, zu Tschakowa, viel zu teuer und deswegen unrealisierbar ist.

März 1998                                                                                                                   Anton Zollner