DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (1)
J  a  h  r  m  a  r  k  t

Jahrmarkt (heute: Giarmata) war eine blühende und fast rein banat-schwäbische Gemeinde. Zur Jahrhundertwende erreichte die deutsche Bevölkerungszahl ihren Höhepunkt; man zählte damals 4.917 Seelen. 1930 zählte man unter den 5.184 Dorfbewohnern 4.647 Deutsche. Bei der Volkszählung von 1972 hatte Jahrmarkt 5.281 Einwohner, aber die Zahl der Deutschen blieb unbekannt. Man weiß aber, dass zehn Jahre später, also 1982 hier nur noch um die 2.300 Deutsche lebten. Aber auch diese Zahl schrumpfte in fünf Jahren auf nur noch etwa 800 Seelen. Jedoch auch von diesen verließ die große Mehrheit nach dem Sturz Ceausescus ihr Heimatort und siedelte nach Deutschland aus. Seltsamerweise wurde in der letzten Zeit in der banater Presse über diese Gemeinde nur sehr wenig berichtet.

Im März 1990, als die „Neue Banater Zeitung“ (NBZ) noch eine Auflage von 12.980 Exemplaren hatte (heute sind es nur noch 5.000), verzeichnete man in Jahrmarkt 82 NBZ-Abonnenten. Nach Pressemeldungen wurden hier bei der Volkszählung vom 7. Januar 1992 84 Personen gezählt, die sich zum Deutschtum bekannten. Dazu gehören selbstverständlich auch die in Mischehe lebenden Deutschen und eventuell deren Nachkommen. Man darf aber auch nicht außer Acht lassen, dass sich bei dieser Volkszählung in Rumänien ungefähr doppelt so viele Personen als Deutsche bezeichneten als man noch vermutete.

Nun berichtet aber im April 1992 die rumänische Zeitung „Agenda“ einiges aus dem wirtschaftlichen Leben dieser gewesenen banat-schwäbischen Ortschaft. Als ersten privaten Laden, der hier eröffnet wurde, verzeichnet man den „Bibi & Co“ in der  Mühlgasse Nr. 742. Das Angebot ist vielseitig, es reicht von Textilien und Glaswaren bis hin zu Süßigkeiten und Kaffee.

Am 1. April 1992 wurde eine Bar eröffnet, die mit sechs Tischen, einem Farbfernseher und einem Videorecorder ausgestattet ist. Der Zutritt ist hier aber nur Damen erlaubt. Florin Lazlau ist der Besitzer der Bäckerei „Florin“, die Kipfel, Semmel und Hausbrot bäckt. Nikolaus Wurm und Aurica Micsa betreiben die Metzgerei „S. C. Wurm“, in der sie Fleisch und selbst hergestellte Wurstwaren anbieten. Zwei Lebensmittelläden „Super-Flores“ (Eigentümer: Maria Florescu) und „La Lenuta“ (Eigentümer: Ioan Ionescu und Valentin Buda) ergänzen das Jahrmarkter Handelsnetz. Die letzteren betreiben auch den Weinkeller „Valyoni“ mit einer Bar, aber sie handeln auch mit Landwirtschaftsmaschinen. Vor kurzem pachteten die beiden Herren auch das im ganzen Banat bekannte Jahrmarkter Freibad, dessen gründliche Instandsetzung sie versprachen. Dieses Freibad wurde durch die mühevolle Arbeit einer banat-schwäbischen Familie berühmt. Es war die reinste und gepflegteste Einrichtung dieser Art im ganzen Banat.

In Jahrmarkt gibt es zur Zeit auch einen Damenfriseur-Salon (Eigentümer: Aurelia Musca und Iuliana Ambrozie) und eine Schuhreparatur-Werkstatt (Eigentümer: Victor Cotoman). Sofia Szabo betreibt hier auch noch eine Werkstatt, in der man Kunstfasernbeutel und Gegenstände aus Plastmasse herstellt. Und schließlich sorgen Olga Biriescu und Dan Savu mit ihrer Video-Diskothek „Magic Night“ dafür, dass die „Neu-Jahrmarkter“ sich hier „wie in der Stadt“ unterhalten können.

Die „Agenda“-Journalistin Cornelia Hrin schließt ihren Bericht mit einer sehr hoffnungsvollen Feststellung: „Und das ist nur der Anfang“. Für uns Banater Schwaben, denen Jahrmarkt so vertraut und heimisch war, ist dieser Wandel das Ende der historischen Epoche der deutschen Kolonisation in Südosteuropa!

April 1993                                                                                                              Anton Zollner
 
 

Nachruf auf Jahrmarkt

In Jahrmarkt (heute: Giarmata; ung.: Temesgyarmat) kann man die Welt nicht mehr verstehen. Der jetzige Bürgermeister Florinel Adamescu droht öffentlich, „als Souveräner, in der Gemeinde die Militärdiktatur einzuführen". Würde er nicht in diesem Sinne handeln, so könnte man über diese Aussage nur lachen.

In der einstigen deutschen Ortschaft, wo 1930 die 4.647 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 90 Prozent hatten, ist das öffentliche Leben so gesetzwidrig wie noch nie zuvor. Die verbliebenen Deutschen beeinflussen das Dorfleben heute nicht mehr. Nachdem man 1977 hier bei einer Gesamtbevölkerung von 5.201 Personen noch 3.399 deutsche Seelen zählte, waren diese bei der nächsten Volkszählung vom 7. Januar 1992 kaum noch vertreten.. Lediglich 83 Personen bekannten sich zum Deutschtum, in Wirklichkeit waren es noch weniger. Nur ihre Häuser standen noch da, deretwegen sich die Neubürger stritten und sogar „Schlachten" austrugen, wie dies die Tageszeitung „Timisoara" vom 1. April 1993 berichtete. So ist auch die schon vielmals gefallene Behauptung zu erklären, wonach in Jahrmarkt die deutschen Häuser nicht verfallen. Die Nachfrage nach den Häusern der ausgewanderten Deutschen war so groß, dass zu jener Zeit 60 Anträge nicht erledigt werden konnten. In den Schwabenhäusern wohnen jetzt meist Großfamilien, die aus drei Generationen bestehen. Mit einem Teil der Häuser machte man auch „Geschäfte", die gewesene Bürgermeisterin Georgeta Jurca vermietete sie einem privilegierten Personenkreis, dessen Wohnsitz eigentlich in Temeschburg war. Zu diesem gehört auch der gewesene LPG-Präses Negrea und andere. Gleichzeitig bestand aber kein Interesse an den Wohnungen des Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs (I.A.S.) und der staatlichen Schuhfabrik „Modern", da ihr Komfort deutlich unter dem der Schwabenhäuser lag.

Nun aber verwaltet seit über zwei Jahren Florinel Adamescu, der neue Bürgermeister, das einstige Schwabendorf nach eigener Lust und Laune. Wie die Tageszeitung „Timisoara" vom 10. März 1994 berichtet, haben seine Übergriffe schon längst ihren Höhepunkt erreicht. In einer Gemeinderatssitzung wurde festgestellt, dass sich der Bürgermeister den Bürgern und dem untergeordneten Staatsdienern gegenüber aggressiv benehme. Auch Handgreiflichkeiten wurden nachgewiesen. Er versorgte sich aus den Privatläden mit Getränken und Zigaretten, ohne diese zu bezahlen. Für die Aushändigung von Bescheinigungen hatte er meist Anspruch auf Gegenleistungen. Auch er ließ unberechtigte Personen in Wohnungen aus dem Staatsfond willkürlich eindringen und ließ ihnen daraufhin die Mietverträge zukommen. Wenn er das Personal des Gemeindehauses rügte, waren dies meist persönliche Beleidigungen. Der Gemeindeärztin gegenüber äußerte er dann seine Absicht, in Jahrmarkt die „Militärdiktatur einzuführen".

Der Gemeinderat hat sich Über das Verhalten des Bürgermeisters bei der Polizei, beim Kreisrat und sogar beim Präfekten beschwert, ohne dass diese etwas dagegen unternommen hätten. Aus einem Bericht der „Timisoara" vom 4. März 1994 war zu entnehmen, dass der Jahrmarkter Bürgermeister ein Privilegierter des jetzigen politischen Regimes ist. Als solcher wurde er zu einem Treffen mit dem Staatspräsidenten Iliescu nach Temeschburg persönlich eingeladen. Hier huldigte er in seiner Rede Iliescu und beschimpfte zugleich den demokratisch gewählten Temeschburger Bürgermeister Viorel Oancea.

Nun will man aber festgestellt haben, dass Adamescu psychisch gestört sei. Deswegen ist er in eine Klinik eingewiesen worden, von wo er später „im verbesserten Zustand", nicht aber als „geheilt" entlassen wurde. Aber auch jetzt, wenn man weiß, dass er eine Gefahr für das öffentliche Leben der Gemeinde darstellt, will man ihn nicht seines Amtes entheben, da er die volle Unterstützung des von Iliescu ernannten Temescher Präfekten Pastiu genießt.

Oktober 1994                                                                                                          Anton Zollner
 
 

Auch die Jahrmarkter Heimatstube ist „ausgewandert“

Das einstige Schwabendorf Jahrmarkt (heute: Giarmata; ung.: Temeschgyarmat) liegt etwa 12 km nordöstlich von Temeschburg entfernt, dort wo das Lippaer Hochland in Richtung Temeschburg in das Banater Tiefland übergeht. Eine Zufahrtsstraße verbindet die Ortschaft mit der Landstraße Temeschburg – Lippa. Jahrmarkt ist auch an das Eisenbahnnetz über die Strecke Temeschburg – Radna (Lippa) angeschlossen, doch der Bahnhof trägt nicht den Ortsnamen, sondern er heißt „Iermata“.

Der Ort ist laut Karl Kraushaar und Gheorghe Drinovan schon 1332 in den päpstlichen Zehentregistern unter dem Namen Garmad (Garmat) dokumentarisch belegt worden. Schon 1335 gab es hier eine kirchliche Seelsorge. Laut Hans Frombach soll 1520 hier ein Adliger namens Johann Waydafy von Gyarmatha vermerkt worden sein, was darauf schließen lässt, dass die Ungarn den Ort Gyarmatha nannten. Während der Türkenherrschaft soll es an jener Stelle zwei von  Walachen und Raizen bewohnte Siedlungen gegeben haben: Veliki Jermat mit 36 Häusern und Mali Jermat mit 28 Häusern. In den Akten der Wiener Hofkammer war die Ortschaft als Jarmatha verzeichnet. Im Jahre 1730 ist die Pfarrei restauriert worden, und zugleich hatte man hier auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt.

Nach Frombach sollen sich die ersten deutschen Siedlerfamilien (etwa 100 Personen), die aus der Mainzer Gegend kamen, zwischen 1720 und 1722 in Jahrmarkt niedergelassen haben. 1730 ist die Zahl der deutschen Familien auf 50 gestiegen. Kraushaar behauptet aber, dass dies das Jahr der Ansiedlung der Deutschen gewesen sei. Laut demselben Autor soll Josef Franz Knoll im Auftrag des Wiener Hofs das Dorf 1763 um 235 Häuser erweitert haben. Laut Frombach sollen die Walachen und Raizen (Serben), die in der „Raizengasse“ (heute: Hauptgasse) gewohnt haben, später nach Clary umgesiedelt worden sein. Nach anderen Autoren sollen sie 1756 in Checea (Ketscha bei Hatzfeld) und im heute serbischen Radjevo  (damals Prädium Peterda) angesiedelt worden sein, aber schon 1787 sollen sie wieder in den Jahrmarkter Kirchenbüchern vermerkt worden sein.

Im Laufe der Zeit nahm die Zahl der Deutschen ständig zu; 1770 erreichten sie die 2.000, bis 1808 stieg ihre Zahl auf 2.208. Im Jahre 1910 stellten die 4.782 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 90 Prozent. Bei der Volkszählung von 1940 ließen sich sogar 5.046 Personen als Deutsche registrieren. Nach dem 2. Weltkrieg sank ihre Zahl ständig bis auf die 10 Deutschen, die bis im Juli 1999 im Heimatort verblieben waren. 1977 gab es unter den 5.201 Einwohnern Jahrmarkts 3.399 Deutsche, der Rest bestand aus 1.741 Rumänen, 43 Ungarn und 18 Sonstigen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 4.228 Dorfbewohnern nur mehr 81 Personen zum Deutschtum. Die Zahl der Rumänen ist nach 15 Jahren  auf 4.037, die der Ungarn auf 44 und die der Sonstigen auf 66 gestiegen. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Jahrmarkt sollen im Februar 1996 im einstigen Schwabendorf noch 12 Deutsche gelebt haben.

Im November 1940 ließen sich auch im heute zur Gemeinde gehörenden Dorf Cerneteaz (ung.: Csernyegyház) 26 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich hier noch immer 4 Personen zum Deutschtum.

Im heutigen Jahrmakt, wo man die Deutschen noch auf den Fingern zweier Hände abzählen kann, kann von einer Pflege des Deutschtums keine Rede mehr sein. Aus diesem Grund ist die Ortschaft in der rumäniendeutschen Presse kaum noch erwähnt worden. Die „Banater Zeitung“ vom 20. August 1997 berichtete über die letzte „deutsche“ Veranstaltung, die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr veranstaltet wurde. Die deutsche Zeitung berichtete aber nicht, dass man nicht so sehr das Jubiläumsfest des ehemaligen deutschen Vereins feierte, sondern laut der rumänischen Zeitung „Renasterea banateana“ (Banater Wiedergeburt) hauptsächlich den 665. Jahrestag der dokumentarischen Attestierung de Ortschaft. Zu den offiziellen Festgästen zählten neben dem als Kandidat der Partei der Nationalen Einheit Rumäniens (PUNR) mit 1.285 Stimmen gewählten Bürgermeister Gavril Rosian, dem Präfekten Dumitru Gant, dem Temeschburger orthodoxen Protopopen Eugen Ionescu und dem Kommandanten der militarisierten Feuerwehr „Banat“ des Landkreises Temesch, auch Ignaz B. Fischer - Landesvorsitzender des Vereins der Russlanddeportierten, Dr. Angelika Ionas seitens des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat und Jörg Rosenberg – Generalkonsul Deutschlands in Temeschburg mit dem Referenten für Minderheiten Heinrich Haupt. Es sollen aber auch Gäste aus Deutschland, Ungarn und Jugoslawien anwesend gewesen sein. Diese könnten einigermaßen vom nationalistischen Charakter dieser Veranstaltung betroffen gewesen sein. Vor allem müsste die bemerkenswerte Rede des PUNR-Bürgermeisters aufgefallen sein, in der er seine Freude über die Tatsache verkündete, dass (nach der deutschen  Kolonisation) „zwei Jahrhunderte folgten, in denen die Rumänen „Giarmata“-s begriffen hatten, dass diese Gemeinde eigentlich ihre Heimstatt ist“. Dass diese Heimstätte zu 90 Prozent den Deutschen gehörte, und die Rumänen zu ihrer Gestaltung nichts beigetragen haben, wurde nicht erwähnt. Nach den Festreden ist beim Bürgermeisteramt eine Gedenkplatte mit dem Text „Giarmata 1332 – 1997 / 665 Jahre seit der dokumentarischen Attestierung / 16. August 1997“ zu den Klängen der Nationalhymne „Wach’ auf, Rumäne!“ enthüllt und eingeweiht worden. Danach folgte ein ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Kirche und eine Kranzniederlegung begleitet vom Trikolorenschwingen seitens der ... rumänischen Kriegsveteranen an dem von den Deutschen errichteten Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Auf das schwere Los der Deutschen während der Russlanddeportation wies nur Ignaz B. Fischer hin. Nach der Enthüllung einer zweiten Gedenkplatte beim Sitz der Freiwilligen Feuerwehr wurde im „Apollo“-Freibad ein Platzkonzert der Militärkapelle der Temeschburger Garnison und der Rekascher „Henschl“-Blaskapelle dargeboten. Volkstänze wurden vom Temeschburger rumänischen Volksensemble „Timisul“ vorgetragen. Volksmusik gaben die Zigeuner-Musikanten aus Groß-Komlosch zum besten, serbische jene aus Tschanad und ungarische die Musiker aus Neu-Sentesch (Újszentes; heute: Dumbravita).

Im Laufe der Veranstaltung versprach der Bürgermeister den Neubürgern, die schon 1997 begonnenen Arbeiten zur Versorgung mit Erdgas und Trinkwasser bald durchzuführen. Die Kosten des Projekts in Höhe von 10 Milliarden Lei sollen zu je einem Drittel vom Staat, von der Gemeinde und von den Dorfbewohnern aufgebracht werden.

In der oben beschriebenen Lage des Jahrmarkter Deutschtums gab es auch für die von Nikolaus Berwanger am Anfang der 70-er Jahre initiierte und nach den Dezemberereignissen von 1989 wieder eingerichtete Heimatstube keinen Platz mehr im Dorf. Die von der deutschen Bevölkerung zusammengetragenen Gebrauchsgegenstände (Bauernmöbeln, Gerätschaften aus Haus und Landwirtschaft, Trachten, usw.) sind auf Initiative des Leiters des Temeschburger „Adam Müller-Guttenbrunn“-Altenheims, Helmut Weinschrott, restauriert und in der Heimatstube des Hauses ausgestellt worden. Zugleich hat auch Franz Ferchs Ölgemälde mit der Sage des „Prinz Eugen“-Brunnens aus Jahrmarkt hier seinen Platz gefunden. Es ist nun vorstellbar, dass diese Zeugnisse des Jahrmarkter Deutschtums noch für einige Jahrzehnte erhalten werden können, auch wenn sie nach Temeschburg ausgelagert wurden. Oder sollten die ausgestellten Objekte einmal doch noch in die Räumlichkeiten des Banater Museums einziehen können, um sie für die kommenden Generationen – auch für heimatliebende Rumänen – zu erhalten?

Wer heute Jahrmarkt besucht, kann das uns noch vor 20 Jahren so sehr vertraute Schwabendorf nicht mehr erkennen. Viele Häuser sind dem Verfall preisgegeben, der Park existiert nicht mehr, und den so schön gestalteten „Prinz Eugen“-Brunnen  hatte man mutwillig zerstört. Nicht einmal die Schule ist entsprechend instandgehalten, sogar einige Türklinken fehlen, und im Hof gibt es keine Blumen oder Sträucher mehr. Dafür steht aber die Dorfkirche in neuem Glanz da, da sie 2001 renoviert wurde. Die Arbeiten wurden sowohl von der Gemeinde (Bürgermeister: Gavril Rosian) und vom Bischöflichen Ordinariat als auch von den Gläubigen aus der Heimat und von den ausgewanderten Jahrmarktern finanziert. Um die 1773 errichtete Kirche kümmert sich heute die ehemalige Theologielehrerin  Clara Hahanski, die mit ihrem Gatten im Pfarrhaus wohnt. Einen katholischen Seelsorger gibt es im Ort nicht mehr, da die wenigen Katholiken eine Filiale der Neu-Sentescher Pfarrei bilden, wo der Ungar Peter Szabó Pfarrer ist.

In der rumänischen Presse des Banats ist über „Giarmata“ in den letzten Jahren laufend berichtet worden, doch die meisten Reportagen haben Straftaten als Hauptthema. So berichtete die Tageszeitung „Renasterea banateana“ (Banater Wiedergeburt) im Juni 1997, dass die 72-jährige Silvia Patru von der Hausnummer 1132 nachts während eines Raubüberfalls in ihrer Wohnung umgebracht wurde. Laut Tageszeitung „Prima ora“ (Erste Stunde) terrorisierten drei jugendliche Zuwanderer bis Februar 2000 die Bevölkerung mit Wohnungseinbrüchen. Gleich nach ihrer Verhaftung gaben die Vorbestraften zu, 13 Einbrüche verübt zu haben, davon auch je einen im Gasthaus des Bürgermeisters und in der Wohnung des Vizekonsuls vom Temeschburger Konsulat Deutschlands. Im September 2001 kam es sogar zur Verurteilung des hiesigen Polizei-Feldwebels Daniel Alexa zu drei Jahren Haft wegen illegaler Zulassung von aus dem Ausland auf Umwegen „importierten“ Kraftfahrzeugen. Selbstverständlich hatte der Beamte für die erwiesenen „Freundschaftsdienste“ auch kräftig kassiert.

Im Mai 2000 konnte man aus derselben Zeitung erfahren, dass es auch in höheren Kreisen der Gemeinde nicht so ehrenhaft zugeht. Nachdem der damalige und heutige Bürgermeister Gavril Rosian, jetzt Mitglied der Demokratischen Partei (PD) bis Dezember 1999  96,25 Prozent der Aktien  der Handelsgesellschaft „Agromec“ AG, also des gewesenen Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs (SLB = I.A.S.) erworben hatte, begann er mit der Instandsetzung seines Maschinenparks. Doch gleich nach der Reparatur des ersten Traktors vom Typ U-650 mit Anhänger wurden ihm dieser „gestohlen“. Kurz danach fand er sein Eigentum im Hof der letzten Verwalterin des gewesenen Staatsbetriebs, Floare Zancu, wieder. Da diese das „Diebesgut“, wie auch weitere fünf Traktoren dem neuen Unternehmer nicht übergeben wollte, verklagte Rosian die Täterin. Doch bald wehte dem Gemeindeoberhaupt im eigenen Gemeindehaus ein starker Gegenwind ins Gesicht. Zwei Gemeinderäte, die als Mitglieder anderer Parteien seine voraussichtliche Wiederwahl verhindern wollten, unterstützten die Verklagte mit der Behauptung, dass Rosian „mit Ausnahme der Kirche, schon die gesamte Gemeinde zu seinem Eigentum machte“.

Aber schon zwei Monate davor warf die „Prima ora“ dem Bürgermeister vor, auch in anderen „schwarzen Geschäften“ verwickelt zu sein. Die in Deutschland lebende rumänische Staatsbürgerin Susana Loris, mit dem eingetragenen Wohnsitz in Jahrmarkt mit der Hausnummer 281 hat durch das Gesetz Nr. 18/1991  10 Hektar des von den Kommunisten enteigneten Bodens zurückerhalten. Zugleich hatte sie ihn durch eine notarielle Vollmacht beauftragt, ihre Felder zu verwalten. Dieser hatte aber im Januar 1997 die 10 Hektar Ackerland dem Temeschburger Ehepaar  Ioan und Viorica Rosca  für 5.000 DM und 7 Millionen Lei verkauft, aber mit der Bedingung, dass sie nur 6 Hektar bestellen durften. Als die neuen Eigentümer den erworbenen Boden im Grundbuch eintragen wollten, hatten sie erfahren, dass die Vollmacht der Bürgermeisters nur für die Verwaltung und nicht für den Verkauf des Bodens gültig sei. Als die Geschädigten den ungültigen Kaufvertrag rückgängig machen wollten, bekamen sie die Antwort, dass der Verkaufsbetrag schon an Susana Loris abgegeben wurde. In dieser Lage konnte den betrogenen Käufern auch der damalige Präfekt des Kreises Temesch Dumitru Gant nicht helfen, außer, dass er die Tat des Bürgermeisters als Betrügerei bezeichnete. Zuständig für diesen Fall kann doch nur ein Gericht sein.

Zu den angenehmeren Nachrichten aus „Giarmata“ gehört eine Meldung aus der Wochenschrift „Agenda“, wonach am 25. April 1999 hier eine digitale Telefonzentrale ihrer Bestimmung übergeben wurde. Die automatische Vermittlungsanlage vom Typ „Alcatel“ hat eine Kapazität von 1.000 Anschlüssen. Die alte manuelle Telefonzentrale verfügte über eine Kapazität von nur 300 Anschlüssen.

Für die weiteren Meldungen könnte man sich kaum interessieren. Demnach soll der Trainer der Nationalmannschaft der Motorradfahrer, Lucian Popovici, ein „Giarmata“-er sein, und der aus dem Ort stammende Temeschburger Kicker Paul Codrea, der nun beim italienischen Zweitligisten aus Genua sein Geld verdient, soll zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt werden, weil er ... der hiesigen Fußballmannschaft einen Set Sportkleidung schenkte. Viel erfreulicher scheint für die Neubürger des einstigen Schwabendorfes die Meldung des neugegründeten Wochenblattes „Banateanul“ (Der Banater) vom 24.-30. Juli 2001 zu sein, wonach in „Giarmata“ die erste Interpol-Pension Rumäniens errichtet wurde. Darauf soll man sich auch in Temeschburg freuen, weil von nun an auch die Stadt ständig von den „blauen Uniformen“ überflutet sein soll.

Mai 2002                                                                                                          Anton Zollner