DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (105)
 O s t e r n

Ostern (heute: Comlosu Mic = Klein-Komlosch; ung.: Kiskomlós) ist ein Heidedorf, das etwa 6 km südöstlich von Groß-Komlosch, in der Nähe der serbischen Grenze liegt. Die Ortschaft ist nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen, aber sie ist leicht über die Landstraße Hatzfeld - Groß-Komlosch erreichbar.

Ostern ist laut Karl Kraushaar 1772 mit 52 Kolonistenhäusern neu angelegt worden. Die Siedlung ist von Deutschen gegründet worden und war fast ausnahmslos von diesen bewohnt. Die Deutschen hatten bis zum 2. Weltkrieg immer einen Bevölkerungsanteil von etwa 95 bis 97,5 Prozent. 1773 wurden hier die Kirchenmatrikelbücher eingeführt, und 1775 hatte das gewesene Schwabendorf eine eigene Pfarrei erhalten. Seit dem Anschluß des Banats an Rumänien und bis zum 2. Weltkrieg war Ostern Gemeindesitz, vorher und danach war es immer ein Dorf ohne eigene Verwaltung, das zur Gemeinde Groß-Komlosch gehörte.

Bei der Volkszählung von 1890 ist für Ostern die Bevölkerungszahl nicht vermerkt worden, was bedeuten könnte, daß man die Daten in der Groß-Komloscher Statistik eingeschlossen hatte. 1910 lebten 1.769 Deutsche im Ort, die Zahl der Nichtdeutschen belief sich auf 85 Personen. Bis 1930 sank die Zahl der deutschen Bevölkerung auf 1.631, aber auch die der Nichtdeutschen auf 42. Im November 1940 wurden hier 1.611 Personen deutscher Volkszugehörigkeit registriert. Bis 1977 sank die Zahl der Gesamtbevölkerung auf 1.371 Seelen, die der Deutschen auf 971. Neben diesen lebten hier auch 365 Rumänen, 18 Ungarn und 17 Zigeuner. Bis Januar 1992 fand ein totaler Wandel in der Bevölkerungsstruktur statt; von den 928 Einwohnern des Dorfes bekannten sich noch 137 Personen zum Deutschtum, den Rest bildeten 693 Rumänen, 64 Zigeuner, 28 Ungarn und 6 Sonstige. Aber auch in diesem Fall darf man die ermittelte Zahl der Deutschen nicht so ernst nehmen, weil nur zwei Monate zuvor in Ostern tatsächlich nur 117 Deutsche lebten. Nach den Angaben der Heimatortsgemeinschaft Ostern sind bis Februar 1996 im einstigen rein banat-schwäbischen Heimatort nur noch 55 Deutsche verblieben.

Die letzte Reportage, die über Ostern in deutscher Sprache veröffentlicht wurde, stammt aus der Feder der Journalistin Grete Lambert und ist mit der Überschrift „Ostern - bald ein Trümmerhaufen? / Selbst die Zigeuner empören sich" in der „Neuen Banater Zeitung" vom 13. November 1991 erschienen. Damals führte Liebgard Kappes genau Buch mit den Namen der letzten im Ort verbliebenen Deutschen. Sie schilderte bei dieser Gelegenheit ausführlich das Ostern des Jahres 1991.Das gesamte Dorf sah aus wie eine Ruinenlandschaft nach dem Kriege. Es gab nur noch wenige gepflegte deutsche Häuser, die noch von ihren Eigentümern bewohnt waren und die noch für das einstige Ostern Zeuge standen. In einigen davon lebten die Erzählerin selbst, der pensionierte Tierarzt Dr. Kohl, die über 70-jährigen Ludwig und Thekla Botwen, die 80-jährige Elisabeth Klefasz u. a. Es standen auch noch einige Häuser, die von Deutschen errichtet wurden, deren Besitzer aber selbst längst nicht mehr darin wohnten: Thomas Schubert 1920, Peter Wien 1923, Daniel Frauenhoffer, Johann Römer, u. v. a. Alle diese Häuser sind von ihren neuen Bewohnern dem Verfall preisgegeben worden. Viele Häuser sind einfach abgerissen worden, ohne, daß die Gemeindeverwaltung etwas dagegen unternommen hätte. Selbst die ortsansässigen Zigeuner waren empört als sie sahen, was die aus der Moldau zugewanderten Neubürger da trieben.

Man beklagte sich im Dorf auch über den mangelnden Zusammenhalt der im Dorf Verbliebenen. Einige beschwerten sich auch über die „stiefmütterliche Behandlung", die sie vom Hatzfelder Ortsforum der Deutschen erfahren haben. Meines Erachtens fehlte hier einfach die Grundlage für eine funktionierende deutsche Volksgemeinschaft. Die letzte Kirchweih fand hier etwa 1985 statt, aber auch die war schon eine „Männerkerwei". Der Schulunterricht in deutscher Muttersprache ist 1990 aufgegeben worden, da es nicht mehr genügend Schüler gab. Die fünf Schüler, die es 1991 noch hier gab, wurden täglich mit dem Bus des Deutschen Forums nach Hatzfeld zum deutschen Schulunterricht gefahren. Die totale Auflösung der deutschen Dorfgemeinschaft war auch in der Kirche zu beobachten. In den Bänken saßen beim Gottesdienst höchstens 20 bis 30 Leute, und der Kirchenchor bestand auch nur noch aus 10 Personen.

Dafür waren die in Ostern verbliebenen Deutschen wenigstens mit der Bodenverteilung zufrieden. Alle deutschen Antragsteller bekamen das vom Gesetz vorgesehene Ackerland, insgesamt eine Fläche von 105 Hektar. Doch die Rückerstattung der Felder kam für viele zu spät, da sie in ihrem Alter nicht mehr über die nötige Arbeitskraft verfügten. Anfangs versuchten sie die Felder mit zwei Traktoren zu bestellen, aber es fehlte an Arbeitskräften. Schließlich mußten die Deutschen auch die Idee von der Gründung einer „Bauerngemeinschaft" aufgeben; sie verpachteten ihr Feld an eine „Firma Ariciu" (Igel), ohne eine Vorstellung vom Endergebnis zu haben.

Über dasselbe Thema berichtete fünf Jahre später auch die rumänische Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt). Diesmal schilderte man eher positive Aspekte, wonach alle Betroffenen zufrieden waren. Von einer „Firma Ariciu" war in dieser Reportage nicht mehr die Rede, dafür aber von einer landwirtschaftlichen Gesellschaft „Tiparrary", die von einem gewesenen Fußballspieler namens Petrisor Curcan gegründet wurde. Er pachtete mit einem Ingenieur des Fachs Mechanik, Mircea Gaspar, von den Dorfbewohnern 300 Hektar Ackerland, stellte 30 Arbeitskräfte ein und startete das neue Unternehmen. Die Unternehmer wollten aber kein Risiko eingehen, nahmen deswegen keine Kredite auf und verteilten nur das, was erwirtschaftet wurde. So fielen auch die Arbeitslöhne etwas mager aus, 300.000 Lei im Monat war nicht viel, aber in der Erntezeit konnten sie bis zu einer Million Lei (Stand: 1996) verdienen.

Auf den gepachteten Feldern wurde Weizen, Gerste, Mais, Sonnenblumen, Erbsen und Zuckerrüben angebaut. Vom Gewinn wurden gleich Landwirtschaftsmaschinen gekauft: 12 Traktoren, 6 Mähdrescher und anderes. Die Bodenbesitzer erhielten ihre Pacht nach Wunsch in Bargeld oder als Erzeugnisse ins Haus. Um die schwer absetzbare Ernte besser zu verwerten, wollten die zwei Unternehmer auch eine Viehfarm gründen. Den Anfang machten sie mit 300 Schweinen. Sollte das Unternehmen am Ende doch ein Erfolg gewesen sein, so könnte es sein, daß in Ostern bis zuletzt doch mehr Zufriedenheit herrscht als in anderen banater Dörfern.

Einen unternehmerischen Geist brachte in Ostern auch ein anderer Sportler zutage. Der gewesene Gewichtheber, Marin Deaconu, erlernte nach seiner sportlichen Laufbahn den Beruf eines Masseurs. Als solcher betreute er die Rugby-Mannschaft des Sportklubs der Temeschburger Universität. Dort schaffte er „Wunder", die ihn bald berühmt machten. Die verletzte Spieler wurden in wenigen Minuten kampffähiger als vor ihrer Verletzung. Er wandte neben der Akupressur auch viele Naturheilmethoden an, die sogar Gelähmte auf die Füße stellten. Nach der Wende, als den Sportklubs das Geld ausging, verließ er mit 38 Jahren den Sportklub der Universität und machte sich in Sankt-Andres mit einer Massagepraxis selbstständig. Nach einigen Jahren zog er nach Ostern, um hier als ein weitbekannter Heilpraktiker zu wirken. Aber laut eigener Aussage heilt er nicht nur die, die Geld haben, sondern auch Menschen, die arm und mittellos sind.

Juli 1999                                                                                                                    Anton Zollner