DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (122)
T  r  a  u  n  a  u

Im Marosch-Tal, am nordwestlichen Rand der Banater Hecke, etwa 3 km östlich von Schöndorf liegt das einstige Schwabendorf Traunau (heute : Alunis ; ung.: Cseralja). Die Ortschaft, die zur Gemeinde Engelsbrunn (Fântânele) gehört, befindet sich demzufolge im Kreis Arad, dessen größter Teil nördlich der Marosch liegt. Traunau hat keine Eisenbahnverbindung, der nächste Bahnhof befindet sich in Guttenbrunn (Zabrani), aber das Dorf wird von der Landstraße Neu-Arad – Lippa durchquert.

Traunau ist laut Karl Kraushaar 1785 von deutschen Kolonisten gegründet worden. Seinen Namen erhielt das Dorf nach der Gräfin von Traun, der Gemahlin des Kameralpräsidenten Graf Orczy. Als die ersten Ansiedler hier ankamen, hatte man laut A. Müller mit dem Stampfen der Häuser noch gar nicht begonnen, so dass diese in Guttenbrunn einquartiert werden mussten. Die Häuser und die Grundstücke konnten erst im Juni 1786 den Ankömmlingen übergeben werden, nachdem sie vom Frühjahr 1785 bis zur Übergabe in Holzbaracken hausen mussten. Diese Strapazen sollen von den ersten etwa 500 Siedlern allein im Jahr 1785  163 Todesopfer gefordert haben.

1784-85 sind hier etwa 100 Häuser für die rund 500 Kolonisten errichtet worden. Bis 1792 stieg die Zahl der Häuser auf 120, aber die ihrer Bewohner sank auf 450. Bis 1828 stieg die Zahl der Häuser auf 126 und die der Dorfbewohner auf 785 Seelen. 13 Jahre später, also bis 1841, stieg die Einwohnerzahl auf 1.066, nach ihrer Volkszugehörigkeit waren 1.024 Deutsche, 36 Rumänen und 6 Juden. Bei der Volkszählung von 1910 hatte man im Schwabendörfchen 1.227 Deutsche, 17 Rumänen und 24 Ungarn in 274 Häusern gezählt. 1937 lebten in Traunau  1.071 Römisch-Katholiken (also Deutsche und eventuell einige Ungarn), zum erstenmal 5 Griechisch-Katholiken und 33 Orthodoxen (also etwa 38 Rumänen), insgesamt waren es 1.109 Personen. Für 1940 gibt A. Müller die Einwohnerzahl mit 1.240 an, die Leute sollen damals in 292 Häuser gelebt haben. Bemerkenswert ist aber, dass Prof. Dr. Anton Scherer zugleich die Zahl der Einwohner, die sich im November 1940 als deutsche Volkszugehörige registrieren ließen, ebenfalls mit 1.240 angibt.

1948, also kurz nach dem 2. Weltkrieg, belief sich die Zahl der Römisch-Katholiken auf 793 Seelen, die der Griechisch-Katholiken auf 31 und die der Orthodoxen auf 527 (!); dazu kommen noch 15 Gläubige anderer Konfessionen. Daraus ist zu erkennen, dass in den letzten 8 Jahren die Zahl der Deutschen sehr gesunken ist, während sich die Zahl der Rumänen mehr als verzwölffacht hat. Bei der Volkszählung von 1977 ermittelte man 1.058 Einwohner (um über 300 weniger als 30 Jahre zuvor), von denen 545 Deutsche, 506 Rumänen, 5 Serben und 2 Ungarn waren. Im Januar 1992 konnte man schon die Auflösung der deutschen Dorfgemeinschaft feststellen; von den 886 (!) Dorfbewohnern bekannten sich nur noch 18 Personen zum Deutschtum. Die Bevölkerung bestand außerdem aus 859 Rumänen, 2 Serben, 6 Ungarn und einem Zigeuner. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Traunau lebten im Februar 1996 im einstigen Schwabendörfchen noch 4 Personen deutscher Volkszugehörigkeit.

Die Katholiken dieses geometrisch angelegten Rechteckdorfes bildeten von der Ansiedlung bis 1788 eine Filiale, die zur Guttenbrunner Pfarrei gehörte. 1788 erhielten die Gläubigen eine Kaplanstelle, und gleichzeitig sind hier auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt worden. Am 26. Juni 1807 ist hier eine eigene Pfarrei eingerichtet worden. Karl F. Waldner und Dr. Anton P. Petri berichten, dass der Gottesdienst seit der Ansiedlung bis 1813 in der Schule stattfand. Am 31. Oktober 1813 ist hier ein Kirchlein eingeweiht worden, das aber schon nach 25 Jahren wegen Einsturzgefahr nicht mehr benutzt werden konnte. 1837 begann man mit dem Bau der heutigen Kirche, die am 7. November 1839 eingeweiht wurde. Sie war bis 1923 mit Schindeln bedeckt, und erst 1955 führte man den elektrischen Strom ein. In den ersten Jahren nach der Ansiedlung des Dorfes hatte man die Toten in Guttenbrunn beerdigt. 1787 erhielt Traunau einen eigenen Friedhof, der am 5. August geweiht wurde.

Gleich nach der Ansiedlung des Dorfes errichtete man eine Schule aus gestampfter Erde. Im ersten Schuljahr 1786-87 gab es hier 52 schulpflichtige Kinder. Laut der oben genannten Autoren ist die Schule 1813 abgebrannt, aber noch im selben Jahr ist „das jetzige Gebäude erbaut“ worden. A. Müller schreibt aber, dass diese (auch als „Eckschule“ bekannt) erst 1840 erbaut und 1844 erweitert wurde. Er  behauptet auch, dass 1874 ein zweites und 1908 sogar ein drittes Gebäude errichtet worden seien. Im ersten hatten die zugewanderten Rumänen 1947 ihre orthodoxe Kirche eingerichtet.

Über das aktuelle Leben der Traunauer ist in den letzten 20 Jahren in der banater deutschen Presse so gut wie nichts berichtet worden. Auch die Arader rumänischen Zeitungen haben in den letzten Jahren nichts über das einstige Schwabendörfchen zu schreiben gehabt, nicht einmal über das heutige Alunis.

Mai 2001                                                                                                                        Anton Zollner