Die Burg Severyn (ung.: Szörényvár) stand zwar nicht auf dem Gebiet des historischen Banats, aber während der Türkengefahr (bis 1526) war sie die Residenzburg des 1228 vom ungarischen König gegründeten Severiner Banats.
Erbaut wurde sie neben der heutigen rumänischen Stadt Turnu Severin (= Severiner Turm), heute Sitz des oltenischen Landkreises Mehedinti. Die Burg stand auf dem linken Ufer der Donau, laut Dr. Th. N. Trâpcea auf dem Terrain der einstigen römischen Festung Drobeta. Sie ist nach abendländische Bauart errichtet worden. Ihre Maße betrugen 30 x 70 Meter, und sie war von einer Burgmauer und von außerhalb derer von einem Wassergraben umgeben. Die Burgmauer hatte fünf Wehrtürme und innerhalb der Mauern standen zwei rechteckige Türme, wie auch ein halbkreisförmiges Bollwerk. In der Burg befand sich eine Kapelle, in der man sowohl byzantinische als auch römisch-katholische Merkmale vorfand, was auf die Begegnung der beiden Religionen hinweist.
Der Ursprung der Burg ist unbekannt, aber seit 1233 ist sie dokumentarisch als Besitz des ungarischen Königs belegt. Man weiß aber, dass hier bis ins 9. Jahrhundert die Bulgaren hausten, und dass sie dann von den Ungarn vertrieben wurden. Dr. Trâpcea vermutet, dass die Burg zwischen 1247 und 1254 im Besitz des Johanniter Ordens gewesen ist. 1260 ist sie wieder von den Bulgaren erobert worden, die aber drei Jahre später von Laurentius, dem Severiner Banus vertrieben wurden. Von 1291 bis 1324 sind keine Eigentumsverhältnisse der Severiner Burg bekannt, Dr. Trâpcea vermutet deswegen, dass sie im Besitz der walachischen oder oltenischen Wojwoden gefallen war. Ab 1324 wird sie zum Zankapfel der ungarischen Könige und der walachischen Wojwoden, was zu ständigen Kämpfen um deren Besitz führte. Als 1330 König Karl Robert von Anjou seinen Feldzug gegen den Wojwoden Basarab I. unternahm, befand sich die Seveveriner Burg im Besitz des Königs. 1368 ernannte sich der walachische Wojwode Vlaicu selbst zum Severiner Banus. Danach musste er die Burg gegen den ungarischen König Ludwig verteidigen, fiel aber im Kampf gegen die Türken.
1419 kam die Burg zum ersten Mal unter osmanische Herrschaft, und danach blieb sie fünf Jahre lang unerwähnt. Laut einer von König Sigismund erlassenen Urkunde ließ er die Severiner Burg von italienischen Baumeistern unter der Anleitung Pippo Spano di Ozoras, dem Temeschburger Comes, restaurieren. Drei Jahre später, 1427, befahl Sultan Murad II. die Vernichtung der Burgen Severin und Orschowa. Zugleich wurde die Burg der bei Gura Vaii gelegenen Insel, die später „Insula Banului“ hieß, von den Türken besetzt, und König Sigismund selbst wurde nebst seinem Verbündeten, dem walachischen Wojwoden Dan II., unter den Mauern der Golubatscher Burg beschlagen. 1429 beschloss der ungarische König, den Deutschen Ritterorden nach Severin zu holen und ihm alle an der Donau gelegenen Burgen zu unterstellen. 1430-31 soll es nach einem Bericht Nikolaus von Redwitz's (Vogt von Stuhm und späterer „Verweser der nach Ungarn gesandten Ordensbrüder“) an den Hochmeister, in der Burg 200 Soldaten und 40 Schützen gegeben haben. Laut Dr. Trâpcea sollen die Söldner aber nicht viel erwirkt haben, weil sie nicht angemessen bezahlt wurden. Schließlich überfielen 1432 die Türken mit ihrem walachischen Verbündeten Vlad Dracul die Severiner Burg und metzelten die Besatzung bis zum letzten Mann nieder. Erst 1436 gelang es den Ungarn wieder einen ungarischen Banus in Severin einzusetzen. Drei Jahre später, 1439, wurde Johann (János) Hunyadi zum Severiner Banus ernannt. Er befestigte nicht nur Severin, sondern alle entlang der Donau gelegenen Burgen und sicherte hier für einige Jahrzehnte den Frieden.
Die von den Kommunisten restaurierte Severiner Burg (nach Dr. Trâpcea)
Nach acht Jahrzehnten begann der Kampf der Türken um die Eroberung des Abendlandes, und als erste Festung fiel Belgrad im Jahre 1521. 1524 wurde Orschowa total vernichtet, Severin nur teilweise. Zwei Jahre später, 1526, zerstörten die Osmanen die Severiner Burg gänzlich und für immer. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte der österreichische Offizier Graf Marsigli die Burgruinen wieder, aber er glaubte, dass diese römischer Herkunft seien.
Während des kommunistischen Regimes ist die Severiner Burg komplett restauriert worden, da sie in das nationalistische Klischee der Machthaber passte. Ob es ihnen auch gelungen ist, sie originaltreu nachzubauen, bleibt eine offene Frage.
1991 Anton Zollner