Die Angaben über diese Burg sind spärlich und sehr Lückenhaft, da sie schon sehr früh verschwunden ist. Als der Deutsche Ritterorden ins Severiner Banat berufen wurde, meldete der spätere „Verweser der nach Ungarn gesandten Ordensbrüder“ Nikolaus von Redwitz um 1430-31 dem Hochmeister von Marienburg, dass die Burg „Ken Severin obir“ öde (wuste) sei. Daraus kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass es zu jener Zeit die Burg von Gradet nicht mehr gab. Man vermutet, dass sie 1426, als die Osmanen unter dem Sultan Murad II. die Severiner Burg stürmten, zerstört wurde. Seit über fünfeinhalb Jahrhunderten sind nur noch ihre Ruinen vorhanden, und da man über ihre Vergangenheit kaum etwas weiß, bekam der kleine Wehrbau die rumänische Bezeichnung „Cetatuia“ (= Burglein oder Burgchen).
Laut Dr. Theodor N. Trâpcea begann man 1964-65 an den Ruinen, die ungefähr 25 km nordwestlich von der Severiner Burg liegen, zu graben. Der Autor vermutet nach den ausgegrabenen Elementen, dass das „Burglein“ die Form eines unregelmäßigen Vielecks hatte. Die Außenmauern des Wehrbaus waren 2 bis 2,50 Meter dick. Die innere Wehranlage bestand aus zwei Türmen und aus einer Bastei. Die vielen Ausbesserungen in den Mauern weisen auf eine rege militärische Tätigkeit hin. Dr. Trâpcea rätselt auch über die Rolle dieser Burg in der Verteidigung des Severiner Banats. Er kommt zur Schlussfolgerung, dass sie ausgehend von ihrer strategischen Lage zur Beobachtung der Umgebung der Severiner Burg dienen konnte. Von hier aus sollte der Besatzung der Severiner Burgresidenz eventuelle Gefahren signalisiert werden.
Die Ruinen des „Burgleins“ von Gradet (nach Dr. Trâpcea)
Eine der spärlichen Daten über diese Burg, die auch dokumentarisch belegt ist, stammt aus dem Jahre 1524. Der grausame Serbe Ali Beg, der zum Islam konvertiert ist, stürmte in jenem Jahr mit einer Schar Türken die Burgen von Severin und Orschowa. Den in Gefahr geratenen Besatzungen schickte man tausend Reiter zur Hilfe. Laut Dr. Trâpcea soll der Severiner Burgkommandant den Fehler begangen haben, diese auf drei Burgen aufzuteilen. Zweihundert Reiter, die die damals schon verlassene Burg von Gradet besetzten, wurden von den Türken überrascht und bis zum letzten Mann niedergemetzelt.
Heute besteht das „Burglein“ von Gradet nur noch aus niedrigen Mauerresten, die uns an das vorosmanische und nur teilweise bekannte Severiner Banat erinnern.
1991 Anton Zollner