MITTELALTERLICHE BURGEN DES BANATS (3)
Die Burg auf der „Insel des Banus“
(„Insula Banului“)

Die Angaben über diese Burg, die sich auf der von der Donau umgebenen „Insel des Banus“ befand, sind sehr spärlich. Seit 1432 wird sie in keiner bekannten Urkunde mehr erwähnt. Die letzte Beschreibung der Burg und der „Banus-Insel“ ist Dr. Theodor N. Trâpcea zu verdanken.

Die Insel, auf der sich die Burg befand, und die bis etwa 1969 in der Nähe des rumänischen Dorfes Gura Vaii (in Oltenien, also außerhalb des geographischen Banats) lag, existiert heute nicht mehr. Die Insel wurde teilweise ausgebaggert, ein Teil von ihr diente als Fundament für den Staudamm des Wasserkraftwerks vom „Eisernen Tor“. Bei dieser Gelegenheit fand man hier Beweise des menschlichen Lebens vom Ende de Paläolitikums.

Über den Ursprung der Burg wird auch heute noch gerätselt, da sie römische, byzantinische und mittelalterliche aufwies. Eigentlich wurde festgestellt, dass die vorgefundenen Ruinen von zwei Burgen unterschiedlichen Alters stammen. Alle weiteren Angaben sind nur Vermutungen der Forscher. So nimmt man laut Dr. Trâpcea an, dass eine der Burgen einen römischen Ursprung hat. Von ihr aus soll man den aus der Zeit des Kaisers Traian stammenden Kanal des „Eisernen Tors“ überwacht haben. Nachdem der byzantinische Kaiser Justinian dieses Gebiet eroberte, hinterließ er wahrscheinlich seine Spuren an der vom ihm erweiterten Burg. Dr. Trâpcea vermutet, dass die Burgmauern wahrscheinlich 1,50 bis 1,65 Meter dick und 5 Meter hoch waren. Von besonderer Bedeutung für die Burg war die Tatsache, dass sie auf steilen Felsen gebaut war, was ihr eine erhöhte Sicherheit bot. Sie wurde wahrscheinlich im 7. Jahrhundert von den eindringenden Slawen zerstört.

Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue Burg von den Bulgaren im 9. Jahrhundert errichtet wurde. Ein Jahrhundert später eroberten die Ungarn dieses Gebiet, aber sie mussten sich gegen die Bulgaren bis zur zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wehren. Die Ungarn sollen in jener Zeit die mittelalterliche Burg erbaut haben. Im ganzen kennt man nur zwei Berichte über diesen Bau. So weiß man, dass 1426-27 die Insel vom Sultan Murad II. erobert wurde, der zugleich alle Segelboote, die hier vor Anker lagen, erbeutete. Der zweite Bericht soll laut Dr. Trâpcea aus dem Jahre 1430 aus der Feder des Nikolaus von Redwitz, der Verweser der Deutschen Ritter aus Ungarn, stammen. Laut Erich Joachim soll dieser aber berichtet haben, dass „die insyl Saan hat 216 person“. Soll nun die Insel Saan die spätere „Insula Banului“ gewesen sein? Man vermutet, dass die Burg, die zum Verteidigungssystem des Severiner Banats gehörte, 1432 von den Türken zerstört wurde.

Die Burgruinen von der „Insula Banului“ vor der Überflutung von 1971-72 (nach Trâpcea)

 Eine gründliche Beschreibung dieser Burg, die schon immer zur Überwachung des Verkehrs auf der Donau diente, soll laut Dr. Trâpcea aus dem Jahre 1689 stammen, und zwar vom österreichischen Offizier Graf Marsigli. Er sollte einen Ort suchen, an dem man eine Brücke über die Donau bauen könnte. Bei dieser Gelegenheit stieß er auf die Burgruinen der „Banus-Insel“. Nach deren Untersuchen gab er folgende Beschreibung: Die mittelalterliche Burg war auf den Ruinen einer römischen Burg erbaut worden. Die römische Burg hatte die Form eines Vierecks mit den Ausmaßen von 36 x 30 Klaftern. Auf der Nordseite hatte sie einen Turm und fünf Redouten. In der Mitte der Insel befand sich ein hoher Wehrbau, über dem sich ein Turm erhob. Die kleinere mittelalterliche Burg hatte die Form eines unregelmäßigen Vierecks und war mit vier steinernen Wehrtürmen versehen. Da sich drei von diesen auf der östlichen Seite befanden, ist zu vermuten, dass die bevorstehende Gefahr gewöhnlich aus dieser Richtung erwartet wurde. Die Festungsmauern waren 2,50 bis 2,80 Meter dick.

Seit 1971 ist die „Insel des Banus“ samt den Ruinen ihrer stolzen Burg für immer mit Beton und Wasser bedeckt. An jenem Ort steht heute eine viel größere „Burg“, der Staudamm des Wasserkraftwerks vom „Eisernen Tor“. Soll aber der neue Bau auch die Identität der Burg von der „Insula Banului“ für immer begraben haben? Dr. Dezsö Csánki ist in seiner Historischen Geographie Ungarns („Magyarország történelmi földrajza a Hunyadiak korában“ – 1890-97) nämlich der Meinung, dass die Insel „Saan“ eigentlich Ada-Kaleh (bei Orschowa) oder Simian (bei Turnu Severin) sein könnte. Dazu hat Nikolaus von Redwitz in seinem erwähnten Bericht (zitiert von Erich Joachim in „König Sigmund und der Deutsche Ritterorden etc.“) auch eine Burg „Vaskapu“ vermerkt, aber mit der Bemerkung „das huws ist wuste“, also verlassen.

1991                                                                                                                          Anton Zollner

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