Die Burg Orschowa (auch Orsua und Orswa genannt) wurde an jener Stelle errichtet, an der vorher die römische Festung Dierna stand. In seiner Chronik vermerkt der Notar des ungarischen Königs Béla III. (1172-96), Anonymus, dass die Bulgaren im Jahre 950 aus der Burg Ursova von den Ungarn vertrieben wurden. Zugleich notierte er, dass ihre Bewohner von den Bulgaren als Geiseln genommen und zur Verteidigung der Burg eingesetzt wurden. Dr. Theodor N. Trâpcea vermutet, dass die Burg seinerzeit vom König Béla IV. (1235-70) renoviert wurde, wie es dieser auch im Falle der von den Tataren zerstörten Burgen machte.
Die Stelle, wo die Stadt Orschowa lag, ist heute vom Stauwasser der Donau überflutet
Ab 1209, als das Severiner Banat (Szörényi Bánság) vom König Andreas II. eingerichtet wurde, ist Orschowa in diesem Verwaltungsbereich als königliche Burg eingegliedert worden. Diese Burg, die laut Karl Kraushaar auch den Namen Orsovár trug, gewann bald danach an strategischer Bedeutung. Von hier aus zogen laut Dr. Trâpcea die ungarischen Könige Béla IV und Stefan V. gegen die Kumanen und Bulgaren, Karl Robert gegen den Gründer der Walachei, Basarab. Ludwig der Große überschritt laut Kraushaar 1365 bei Orschowa die Donau, als er in Richtung Widdin (auch Vidin) gegen die Bulgaren zog. Dr. Trâpcea erwähnt weiter eine Urkunde aus dem Jahre 1372, wonach Ludwig der Große die Befestigung der Burg Orschowa angeordnet haben soll, wobei „tagsüber und nachts beim Schein der Fackeln gearbeitet werden sollte“. Die Burg ist damals vom walachischen Wojwoden Vlaicu bedroht worden. 1368 kam Orschowa laut einer von Kraushaar angegebenen Urkunde unter die Autorität des Temescher Grafen (Comes) Benedikt Heem.
1392 fielen die Türken in Syrmien ein, es war der erste Einfall der Türken in Ungarn. Durch die immer mehr in Richtung Westen vordringenden Türken gewannen die entlang der Donau gelegenen Burgen an neuer Bedeutung. Aus diesem Grund besuchte sie König Sigismund öfters und ließ sie befestigen. Von Orschowa aus zog Sigismund mit den Kreuzrittern auch gegen Nikopolis. 1408 ernannte der ungarische König Pippo Spano di Ozora zum Severiner Banus, wodurch dieser auch die Burgen des Severiner Banats zu beaufsichtigen hatte. Auch er befestigte Orschowa wegen der ständig wachsenden Türkengefahr. Trotzdem überfielen die Türken nach seinem Tode 1427 Orschowa, und unter der Anführung von Sultan Murad II. raubten sie die Burg aus. Nach dieser Niederlage beschloss Sigismund den Deutschen Ritterorden ins Land zu rufen, dem er dann die entlang der Donau gelegenen Burgen übergab. Bei ihrer Übernahme notierte der Hochmeister Nikolaus von Redwitz am 24. März 1430, dass er in der Burg Orschowa eine Garnison bestehend aus 60 Soldaten, 30 Schützen und 260 Dienern vorgefunden hat. Zwei Jahre später stürmten und beschädigten die Türken die Orschowaer Burg, was sie auch 1434 wiederholten. Die deutschen Ritter wurden bei diesem Angriff völlig zerschlagen, und laut Dr. Trâpcea verließen die Überlebenden das Banat endgültig.
Laut Dr. Trâpcea hatte die Burg 1439 der Severiner Banus Johann Hunyadi übernommen. Auch er weilte viel in Orschowa, um die Burg zu befestigen oder um von hier aus die Türken anzugreifen. Im November 1444 zog er sich hier nach einer Niederlage zurück. Hunyadi, der 1441 zum Temescher Grafen und zum Kapitän von Belgrad ernannt wurde, erlitt damals eine Niederlage bei Warna.
Nach einer länger dauernden Kampfpause stürmten die Türken 1524 unter der Anführung des konvertierten Serben Ali Beg die Burg Orschowa und zerstörten sie gänzlich. Ihre Bewohner wurden in die Knechtschaft verschleppt. Die Burg selbst ist nie wiedererrichtet worden, aber Orschowa blieb eine Festung, um die noch viele Kämpfe geführt wurden. Da die Burg auf dem Gebiet der späteren Stadt gestanden haben soll, sind keine Überreste bestehen geblieben. Sowohl die Türken als auch die Österreicher scheuten kein Opfer, um in den Besitz Orschowas zu kommen. Beide errichteten abwechselnd Befestigungsanlagen bestehend aus Palisaden, Wehrgräben und sogar aus Wehrburgen. Mit Recht meldete der österreichische General Veterani nach Wien: „... die Stadt als solche ist ärmlich, aber aus strategischer Sicht können wir sie nicht vermissen, sie muss unser sein, weil durch sie beherrschen wir die Donau ...“. 1738 bereiteten die Türken nach der österreichischen Kriegsinitiative von 1737, wieder einen Einfall ins Banat vor. Während sich bei Widdin ein größeres türkisches Heer versammelte, überschritten 25.000 Türken beim „Eisernen Tor“ die Donau und stellten ihr Lager laut Kraushaar am 24. April 17739 bei „Alt-Orschowa“ (Neu-Orschowa wurde damals die Insel Ada-Kaleh genannt) auf. Trotz heldenmütiger Gegenwehr konnten die Türken die Stadt einnehmen, um danach weiter gegen Mehadia zu ziehen. Dort kapitulierten die Türken am 9. Juli, und sie verließen zugleich auch Orschowa. Am 15.August eroberten sie aber erneut Orschowa und drangen wieder ins Banat ein. Durch den Friedensvertrag von Belgrad im Oktober 1739 fiel das gesamte Banat, also auch Orschowa, wieder Österreich zu. 1773 wurde Orschowa von Kaiser Josef II. (damals als Mitregent) besichtigt, wobei er folgendes feststellte: „Von der Orschowaer Burg sind nur noch Ruinen da, nur weil die Türken nichts reparieren“.
Die „Neustadt“ Orschowa am Ufer des Stausees
Heute ist die Stelle, wo einmal die Burg Orschowa stand nicht mehr aufzufinden. Die Stadt Orschowa selbst, die als „Alt-Orschowa“ bekannt war, wurde bis auf den letzten Stein abgetragen. 1970-72, beim Bau des Wasserkraftwerks „Eisernes Tor“ sind diese Orte der Banater Geschichte von der Donau überflutet worden. Die gesamte Bevölkerung „Alt-Orschowas“ musste ihre Häuser selbst abtragen und sie auf den Hügeln entlang des nördlichen Ufer der neuentstandenen Bucht wieder aufbauen, wodurch die „Neustadt“ Orschowa entstanden ist.
1991 Anton Zollner