Am Fuße der Almascher Berge, dort wo diese die Donau berühren, etwa 20 bis 25 km stromaufwärts von Orschowa, stand einst eine Burg, die den Namen „Petsch“ trug. Die Schreibweise dieses Namens ist auch als „Pecz“ oder „Petczsch“ vorzufinden. Erkennbar ist heute der Ort durch die auf dem gegenüberliegenden Ufer der Donau in Fels befestigte „Tabula Traiana“ (in der Nähe der serbischen Ortschaft Kladovo), die den Schöpfer eines in Fels geschlagenen Weges, den römischen Kaiser Trajan huldigt. Die deutsche Übersetzung des römischen Textes lautet folgend: „Der Sohn des göttlichen Nerva und regierende Kaiser, Nerva Traianus Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, zum vierten Male Tribun, Vater des Vaterlandes und Konsul, hat Gebirge und Strom überwunden und diese Straße gebaut“. Der Wasserpegel erreicht seit 1972, nach der Errichtung des Staudamms beim „Eisernen Tor“, fast den unteren Rand der „Tabula“, während die „Trajan-Straße“ (hier eigentlich ein Steg) vom Wasser der Donau für immer überflutet wurde.
Die „Tabula Traiana“ auf dem serbischen Donauufer, gegenüber der ehemaligen Burg Petsch - 1981
Die Burg Petsch stand auf einem steilen Felsen des Gipfels, der heute den rumänischen Namen „Sucarul Mare“ trägt, dort wo die Donau am engsten war. Sie war nur über einen Fußweg, der von der Ortschaft Dubowa ausging, zu erreichen. Mit der Orschowaer Burg war sie über den kleinen Wachturm Ogradena verbunden. Eine direkte Signalisierungsmöglichkeit mit Orschowa dürfte wegen des gebirgigen Geländes nicht möglich. Sie ist wahrscheinlich nach dem Rückzug der Tataren 1242 erbaut worden. Nach einer Beschreibung Dr. Theodor N. Trâpceas hatte der Burgturm eine Höhe von 30 bis 35 m, die Mauern der Burg waren 3 m dick und sie verfügte über einen Trinkwasserbehälter.
1429 befand sich „Petsch“ im Besitz des deutschen Ritterordens. Am 24. Februar 1430 berichtete der Hochmeister Nikolaus von Redwitz, dass ihre Besatzung aus 40 Soldaten und 20 „Ballistrer“ (die die Steinschleuder bedienten) bestand. Nach der Beschädigung der Burg während der türkischen Angriffe von 1432 und 1438 wurde sie von Johann Hunyadi wieder befestigt. Laut Dr. Trâpcea ist die Burg 1443 von den geadelten walachischen Knesen* Mihai Ciornea und Mihai Bizere verteidigt worden. 1513 ist es den Türken gelungen, die gesamte Wehranlage in Brand zu stecken. Der siebenbürgische Wojwode Johann Zápolya ließ sie dann wieder von siebenbürgisch-sächsischen Steinmetzen errichten. Zwischen 1519 und 1521 wurde Petsch wieder vom berüchtigten Bali Beg gestürmt. Ein Jahr später ging die Burg laut Dr. Trâpcea in den Besitz des walachischen Knesen* von Rudaria (Ort in den seit ältesten Zeiten von Walachen besiedelten Almasch-er Bergen) Emmerich (Imre) Gârlisteanu über, der für seine dem ungarischen König erwiesene Dienste geadelt wurde. Sie blieb im Besitz dieser Familie wahrscheinlich bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Danach ist Petsch aufgegeben worden, weil sie in der Zeit, in der die Türken Temeschburg und das gesamte Banat beherrschten, ihre Bedeutung als Wehranlage verloren hat.
Als Wehranlage diente die Burg Petsch wieder während der türkisch-österreichischen Kriege von 1683 bis 1699 und von 1788 bis 1791. Der Wehrturm befand sich noch in gutem Zustand, und darum hatte man die Burg 1692 wieder befestigt. Nach Dr. Trâpcea sollen in diesem Krieg österreichische Soldaten von hier aus den Türken den Schiffsverkehr auf der Donau abgeschnitten haben. Im Jahr 1788 sollen hier Banater Militärgrenzer den Türken harten Widerstand geleistet haben. 300 Grenzer fielen damals im Kampf gegen den mehrmals überlegenen Feind. Die Stelle, wo der Kampf stattfand, heißt heute „Piatra însângerata“ (Blutiger Stein). Die Türken sollen wegen des harten Widerstandes so wütend gewesen sein, dass sie jeden Grenzer niedermetzelten und schließlich sogar die Ruinen der Burg Petsch völlig vernichteten.
Heute ist von dieser einst stolzen Burg nichts mehr zu erkennen. Es blieben schon 1788 nur noch die Grundsteine übrig. Sowohl diese als auch die Wehrgräben und vermutliche Reste von Palisaden sind vom Grün des Bergwaldes für immer abgedeckt worden.
1991
Anton Zollner
* Das Wort „Knes, -e“ stammt aus dem russischen „Kneas“, was soviel wie Prinz bedeutet. Bei den Banater Walachen wurde dieser Titel schon immer mit einem Ortsrichter (Schultheiß) gleichgestellt. Die Knese wurden aus den Reihen der Bevölkerung gewählt, meist waren es ehrliche Leute. Für ihre Dienste wurden sie vom Staat nicht bezahlt, sie waren schon damit zufrieden, zum Beamten des Staates ernannt zu werden. Während ihrer Amtszeit waren sie steuerfrei und konnten die Straftäter bestrafen. Aus diesem Grund durften sie Stock und Fesseln zu Hause aufbewahren.