MITTELALTERLICHE BURGEN DES BANATS (9)
Die Burgen „Sankt Ladislaus“ und „Golubatsch“

Dort, wo der „Babakaj“-Felsen am Eingang in die „Klissura“ (Donauenge beim Durchbruch der Karpatenkette) wacht, standen einst zwei stolze Burgen: im Banat die bescheidene St-Ladislaus-Burg und am serbischen Ufer die mächtige siebentürmige Golubatsch-Burg. Diese Burgen entfesselten schon in den ältesten Zeiten die Phantasie der in ihrer Nähe lebenden Menschen, wodurch sehr schöne Legenden entstanden. Diese erzählen, dass beide Burgen von zwei königlichen Schwestern erbaut wurden. Eine von diesen soll sogar die spätere Kaiserin Maria Theresia gewesen sein. Laut der Sage besaßen die zwei Schwestern beim Bau der Burgen nur einen Mehlsieb. Aus diesem Grund spannten sie ein Seil über die Donau und ließen den Sieb abwechselnd von einem Ufer zum anderen gleiten.

Über den Babakaj-Fels sind sogar mehrere Legenden entstanden. In der bekannteren Variante erzählt man, dass der junge ungarische Burgvogt von Coronini, eigentlich der Herr der Burg St. Ladislaus (das Dorf Coronini ist in der Ceausescu-Ära auf Pescari =Fischer unbenannt worden) seine Geliebte aus türkischer Gefangenschaft befreite. Da sie aber im Harem zur Lieblingsfrau des Paschas von Golubatsch wurde, verfolgte dieser die Flüchtlinge. Nach ihrer Gefangennahme köpfte er den Ungarn, und das Mädchen ließ er an den Babakaj-Felsen ketten. Man sagt, dass auch heute noch, wenn der „Koschawa“ weht, das Jammern des Mädchens zu hören ist. Eine zweite rumänische Variante bezieht sich auf den Namen des Felses. Laut dieser Legende hat ein Bauer sein böses Weib in die Fluten der Donau geworfen, und dabei soll er gesagt haben: „Baba ca aia, sa nu sa se mai faca!“ (Ein altes Weib wie dieses, soll es nicht mehr geben!). Plötzlich aber erhob sich aus dem Wasser ein gespaltener Fels, in dessen Spalte das alte Weib saß. Seitdem trägt der Fels den rumänischen Namen Babacaia, also „baba ca aia“ (ein altes Weib wie dieses). Die serbische Variante spricht von der untreuen Frau eines serbischen Wojwoden. Dieser kettete seine Frau an den Felsen und sagte ihr: „Babo kaise!“ (Bereue, Frau!) und überließ sie ihrem Schicksal. Während sie qualvoll verendete, bat sie den Wind kraftvoll wehen, damit alle Menschen von der Untat ihres Gemahls erfahren sollen. So entstand der „Koschawa“-Wind, der oft über diese Landschaft weht.

Die Burg St. Ladislaus, auch „Senthlászlowára“ genannt, stand 7 km stromabwärts von Alt-Moldowa (heute: Moldova Veche) auf einer steilen Anhöhe, die man nur aus der östlichen Richtung erreichen konnte. Südwärts befand sich vor dem Wehrbau ein 6 Meter tiefer und 10 Meter breiter Wassergraben. Der Wehrbau selbst bestand aus zwei Reihen von Steinmauern. Die äußeren Mauern, die 2,50 bis 3 Meter dick waren, hatten laut Dr. Theodor N. Trâpcea einen Umfang von etwa 500 Meter. Der innere Bau bestand aus mehreren Türmen und vier Innenräumen. Der runde Turm (Nr. 5), dessen Mauern laut Luminita Munteanu-Dumitriu sogar 5 Meter dick waren, stand im Innenhof am rechten Ende der inneren Mauer. Der mittlere Turm (Nr. 1) hatte eine unregelmäßige Form. Links stand der nördlichste Turm (Nr. 2), der die innere und äußere Mauer miteinander verband. Die auch heute noch stehende 8 Meter hohe Säule (siehe Abb.) soll laut Munteanu-Dumitriu eine Mauerecke dieses quadratischen Turms gewesen sein. Laut derselben Autorin stand ein anderer Turm (Nr. 4) etwa 25 Meter unterhalb der eigentlichen Burg.

Der Bauplan der Burg St. Ladislaus (nach "Acta Musei Napocensis" - Klausenburg 1970)

Die rumänische Autorin Munteanu-Dumitriu vermutet, dass die Außenmauern der St-Ladislaus-Burg schon nach der Tatareninvasion (1241) errichtet wurden. Laut Dr. Trâpcea ließ König Sigismund den inneren Bau im Winter des Jahres 1427 beginnen. Dies gehörte zu seinen Vorbereitungen zur Rückeroberung der Golubatscher Burg. Dafür berief er italienische Baumeister und bestellte die Artillerie ebenfalls in Italien.

Die Ruinen der Burg St. Ladislaus mit dem Babakaj-Fels (nach Dr. Trâpcea)

1429 soll laut Dr. Trâpcea die Burg St. Ladislaus wieder dokumentarisch erwähnt worden sein, und zwar bei der Übergabe des Wehrbaus an den Deutschen Ritterorden. Meines Erachtens ist dies am 24. Februar 1430 geschehen, weil Dr. Trâpcea von einer Garnison bestehend aus „400 Soldaten und 56 Schützen“ schreibt. Diese Daten stammen aber aus dem Brief des Hochmeisters Nikolaus von Redwitz, der die Burg als „Sand Ladislaen“ bezeichnete. Nach Munteanu-Dumitriu soll die Burg seit 1536 nicht mehr erwähnt worden sein. Dr. Trâpcea vermutet, dass sie Anfang des 16. Jahrhunderts von Bali Beg zerstört wurde. Die Zerstörung muss aber nicht so bedeutend gewesen sein, da ihre Mauern im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht als Bunker benutzt wurden. Erst während der Kämpfe, die damals hier stattgefunden haben, wurden die Burgmauern völlig zerstört. Heute steht nur noch das Stück Eckwand, von dem, was einst die Sankt-Ladislaus-Burg war.

Auf der Stelle, wo heute am serbischen Donauufer noch die Mauern und Türme der Golubatscher Burg stehen, befand sich im Altertum der römische Wehrbau „Columbaria“. Die mittelalterliche Burg Golubatsch (ung.: Galambóc vára; serbisch: Golubac) ist laut Dieter Maier erstmals 1337 erwähnt worden. Nach ungarischen Geschichtsquellen ist sie 1391 vom Sultan Bajazid eingenommen worden, aber gleich danach konnte sie der Temescher Comes Peter Perényi zurückerobern. Franz Engelmann schreibt, dass 1417 die Golubatscher Burg durch Verrat in die Hände der Türken geriet, die sie zu einer Residenz des Paschas machten. Ungarische Quellen behaupten, dass dieser Verrat erst 1427 stattgefunden hat. Der damalige serbische Burghauptmann hatte sie für 12.000 Goldstücke den Türken übergeben. Daraufhin überquerte König Sigismund laut Dr. Trâpcea im April 1428 die Donau mit 25.000 Mann Fußvolk, 6.000 walachischen Schützen, 200 italienischen Artilleristen und einer Schar von polnischen Reitern. Unter den Schiffen, die ebenfalls zum Angriff dienten, befand sich eines, das unter dem Befehl der Gattin des Temescher Comes Stefan Rozgony, Cäcilie (geb. Szentgyörgyi), stand. Mit männlichem Mut näherte sie sich öfter der Burg und ließ sie heftig beschießen. Da Sultan Murad II. den belagerten Türken zur Hilfe eilte, betrachtete sich König Sigismund als besiegt und bat um Waffenstillstand, um abziehen zu können. Die Türken gewährten ihm dies, aber als ein Teil des Heeres über der Donau war, griffen sie die wenigen zurückgebliebenen an und metzelten fast alle nieder. In diesem Zusammenhang hob Franz Engelmann die Frau hervor, die schon bei der Stürmung der Burg eine große Rolle gespielt hat. Er behauptet, der König verdankte seine eigene Rettung nur dem tollkühnen Eingreifen der Cäcilie Rozgony.

Die Golubatscher Burg heute (nach einem Foto von Erich Lessing)

Sowohl Dr. Trâpcea als auch Karl Kraushaar schildern die letzten Ereignisse, die hier 1481-82 stattgefunden haben. In jener Zeit brachen die Türken unter der Führung des Pascha von Semendria (heute: Smederovo), Iskender, ins Temescher Gebiet ein. Paul Kinizsy, der damalige Temescher Comes, zog von der Burg St. Ladislaus mit 32.000 Mann über die Donau vor die Tore der Golubatscher Burg. Tausend türkische Reiter „unternahmen einen Ausfall“, wurden aber von Kinizsys Heer getötet oder gefangen genommen. Einer der Leute Kinizsys, Jaxics, folgte dem Befehlshaber von Simendria und spaltete ihm den Kopf vor dem Tor der Golubatscher Burg. Bei dieser Gelegenheit wurden auch 24 türkische Schiffe versenkt. 1521 fiel die Golubatscher Burg für immer in die Hände der Osmanen.

Heute geben die Ruinen der gut erhalten gebliebenen sieben Burgtürme ein klares Bild von dem wieder, was die stolze Golubatscher Burg für die Verteidigung des Abendlandes einst dargestellt hat. Das gestaute Wasser der Donau erreicht heute auch hier den Burghof, und die neue Uferstraße führt (leider!) mitten durch die einstige Festung. Als feindliche Kräfte betrachtete man in der nahen Vergangenheit nur die als „Golubatscher Mücken“ bekannte Insekten,  wenn diese sich in den Felsen, auf denen die Ruinen stehen, übermäßig vermehrten. Sie bildeten eine große Gefahr für den Viehbestand des Banats, aber es ist anzunehmen, dass auch die „Golubatscher Mücken“ in Zukunft nur noch in den Sagen der Golubatscher Burg vorkommen werden.

1991                                                                                                                         Anton Zollner

Fortsetzung

Zum Anfang