MITTELALTERLICHE BURGEN DES BANATS (10)
Die Burg Mehadia

Die mittelalterliche Burg Mihald (auch Mehald, Mehaldi oder Myhalt genannt) befand sich einst auf dem Gebiet der heutigen Ortschaft Mehadia im Tscherna-Tal (heute: Cerna), dort, wo die Ausläufer der Tscherna-Berge (in den Südkarpaten) von den Almascher Bergen durch den Tscherna-Fluss getrennt werden, der zugleich auch das Banat von Oltenien trennt. Vier Kilometer westlich von hier, im Tal, das sich in Richtung Bosowitsch (amtlich: Bozovici) öffnet, stand vom 2. bis zum 4. Jahrhundert die römische Festung Ad Mediam.

Die Mihalder Burg (ung: Mihald vár), die 165 km südlich von Temeschburg stand, war zwischen den Hügeln, die man heute Strajot, Banot und Bacsanesti nennt, angesiedelt. Die Burg bestand laut Luminita Munteanu-Dumitrescu aus einem älteren, wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbauten sechseckigen Turm und aus einem später (vermutlich in der Zeit Johann Hunyadis) errichteten runden Turm. Diese Türme waren mit zwei parallel verlaufenden Mauern verbunden, die so einen 6 Meter breiten Gang bildeten. Eine dieser Mauern war 3 Meter dick und die andere war etwa 65 Meter lang. Die Ruinen der nordwestlichen Mauern des ersteren Turms, deren Länge nach Dr. Trâpcea 6,50 Meter betrug, sind auch heute noch auf der Anhöhe, die Grad (= Burg) genannt wird, zu sehen. Der Sockel des Wehrbaus bestand aus Kalkarblöcken, und zum Bau der 2 Meter dicken Turmmauern verwendete man Fluss- und Felssteine. Der Turm hatte außer dem Erdgeschoss auch noch drei Stockwerke, die insgesamt eine Höhe von 15 bis 20 Metern erreichten. Die anderen Bauten wurden zerstört und unkenntlich gemacht. Beim Häuserbauen und bei der Gartenarbeit stößt man immer wieder auf Mauerreste, Waffen, Gebeine und Münzen. Nicht selten hört man aber auch einen dumpfen Wiederhall, wenn ein Wagen über hohle unterirdische Räume rollt.

Der Plan der Mihalder Burg (nach „Tibiscus“ Nr.4 / 1975

Es ist bekannt, dass Mihald eine königliche Burg im Severiner Banat war. Sie stand schon im 13. Jahrhundert, als König Béla IV. sie befestigte, und sie wurde im 18. Jahrhundert zerstört. Laut Franz Engelmann ernannte 1323 König Karl Robert von Anjou hier einen „castellanus de Myhald“. Anfangs zogen von hier aus die ungarischen Könige (Karl Robert und Ludwig der Große) in den Kampf gegen die Wojwoden der Walachei (Basarab I. und Vlaicu). Dr. Theodor N. Trâpcea erwähnt als eine Urkunde jener Zeiten eine Beschwerde der Mihalder Knesen, die als „treue Diener des Königs“ von dessen Soldaten ausgeraubt und deren Häuser angezündet wurden. Die Lage war in dieser Gegend besonders schwierig, da die walachischen Adligen schon immer zwischen den Wojwoden der Walachei und der ungarischen Krone wankten. 1380 versuchten sie sogar einen Aufstand gegen den ungarischen König, der ihn aber niederschlagen ließ. Laut F. Engelmann soll in jener Zeit Mihald sogar in den Händen des walachischen Wojwoden Dan I. gewesen sein. 1402 soll erstmalig ein „Comes von Mihald“ erwähnt worden sein. Selbstverständlich war dieser Titelträger nicht mit besonderer Macht ausgestattet. Er war nur ein kleiner Verwalter eines der sieben (zeitweilig sogar acht) „walachischen Distrikte“ des Severiner Banats. Dr. Trâpcea berichtet auch von einem „Wojwoden von Mihald“ mit dem Namen Wladislaw, der sich auch gegen den ungarischen König erhoben hatte. Einige Autoren äußern die Meinung, dass diese autonomen walachischen Distrikte trotz dieser Auflehnung gegen Ungarn einen besseren Schutzwall gegen die Gefahr, die von jenseits der Donau kam, darstellten, als es die Johanniter im 13. Jahrhundert und der Deutsche Ritterorden im 15. Jahrhundert waren.

Da die Türkengefahr ständig stieg, verstärkte Pippo Spano di Ozora auch diese Burg. Danach wurde sie 1429 mit den entlang der Donau gelegenen Burgen vom Deutschen Ritterorden unter der Heerführung von Nikolaus von Redwitz übernommen. Im nächsten Jahr, am 24. Februar 1430 notierte von Redwitz, dass die Burg Mihald mit ihren „drey slosser“ mehr Geld benötige als selbst die Residenzburg Severin. Hier wurde zum erstenmal statt den genannten zwei Türmen „drei Schlösser“ erwähnt. Über die Entstehung des dritten Wehrbaus wird auch heute noch viel gerätselt. Der erste ausführliche  Plan dieses am Fuße des Strajot-Hügels gelegenen Baus, ist 1697 durch den österreichischen Offizier Graf Marsigli angefertigt worden. Munteanu-Dumitriu erwägte 1988 die Möglichkeit, dass mit der Zeit die Mihalder Burg zum Mittelpunkt dieses walachischen Distriktes wurde.

Dr. Trâpcea berichtet in seinem Beitrag „Über einige mittelalterliche Burgen des Banats“, dass die Mihalder Burg nach dem Abzug des Deutschen Ritterordens von Johann Hunyadi und Paul Kinizsy befestigt wurde. Sowohl König Sigismund als auch König Matthias benutzten Mihald als Stützpunkt in den Kriegen gegen die Türken. Wegen ihrer besonderen Bedeutung schloss König Ludwig 1519 ein Abkommen mit Sultan Soliman, in dem sich die Türken verpflichteten, im Streitfall von der Mihalder Burg fern zu bleiben. Sogar nach der Niederlage von Mohatsch (1526) bestand der Thronfolger Ferdinand darauf, dass Mihald in königlichem Besitz bleibe. Bekanntlich ging aber die Burg in den Besitz des siebenbürgischen Fürsten und Türkenfreundes Johann Zápolya über. 1554 führte Peter Petrovics, der Banus der Burgen Lugosch, Karansebesch und Mihald, Befestigungsarbeiten an den Mauern der letzteren durch und erneuerte den sechseckigen Turm, dessen Ruinen auch heute noch vorhanden sind. Trotzdem soll nach Dr. Trâpcea die Burg doch noch in türkische Hände gefallen sein, als 1595 unter ihren Mauern der walachische Wojwode Michael der Tapfere gegen die Türken gekämpft haben soll.

Die Ruinen der Burg Mehadia (nach L. Munteanu-Dumitriu)

Während der vier türkisch-österreichischen Kriege wurde auch weiter viel unternommen, um im Besitz der seit 1630 als Mehadia bezeichneten Burg zu bleiben. 1717 wurde sie vom Prinzen Eugen von Savoyen besichtigt, der danach auch ihre Befestigung verordnet hatte. Bei dieser Gelegenheit sollen laut Dr. Trâpcea zwei Forts errichtet worden sein: das erste, - „Sankt Andreas“ genannt - am Fuße des Hügels Strajot und das zweite an der Stelle, die man heute „sant“ (Schanze) nennt. An der Stelle des „St. Andreas“-Forts befindet sich heute das Mehadiaer Gymnasium.  Unter den Ruinen des zweiten Forts, die neben dem teilweise erhalten gebliebenen Turm liegen, waren 1969 noch unerforschte unterirdische Gänge vorhanden.

Die Kämpfe um Mehadia im 3. türkisch-österreichischen Krieg (1737-39) werden von Karl Kraushaar geschildert. Nachdem die Türken am 24. April 1739 Alt-Orschowa eingenommen hatten, wandten sie sich Mehadia zu und belagerten die Burg. Die Kaiserlichen reagierten darauf nur sehr langsam. Erst im Juni gelang es ihnen, die nötigen Truppen bei Temeschburg aufzustellen. Am 22. Juni brachen sie auf und kamen nach vier Tagen in Karansebesch an. Inzwischen wurde Mehadia von den Türken erobert. Am 4. Juli 1739 stießen die Österreicher unter Großherzog Franz von Lothringen unerwartet an das türkische Heer. Kämpfend erreichten sie am 9. Juli 1739 Mehadia, wo die Türken kapitulierten und sich danach zurückzogen. Entgegen aller Erwartungen erschienen sie am 15. Juli wieder vor Mehadia und stürmten viermal die Burg, ohne sie einnehmen zu können. Nach der Erkrankung des Großherzogs kehrte eine Wende ein, und die Türken waren wieder in der Übermacht.

Nach dem Frieden von Belgrad (1739) sollte die Mehadiaer Burg, die sich in den Händen der Türken befand, zerstört werden, was sich aber bis 1752 hinauszögerte. Gänzlich zerstört wurde sie im 4. türkisch-österreichischen Krieg zwischen 1788 und 1791.

1991                                                                                                                           Anton Zollner

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