„Wunderschön ist die Banater Karst, und mitten drin liegt die romantischste Burgruine, die man sich denken kann: Kraschowa.“ So charakterisierte der Heimatforscher Franz Engelmann die Burg, die von 1230 bis 1551 niemals zu kriegerischen Handlungen gebraucht wurde. Ihre Ruinen liegen auch heute noch in einer wunderschönen Umgebung von Wäldern und Kirschen- bzw. Pflaumengärten, die ihre wunderbaren Farben den vier Jahreszeiten immer wieder anpassen.
Die Kraschowaer Burg, die ungarisch Krassófö oder Krassóvár hieß, erhielt ihren Namen vom in der Nähe fließenden Bach Karasch, der auch heute noch dem Landkreis seinen Namen verleiht. Die königliche Burg war auch Sitz des gleichnamigen Verwaltungsbezirks. Laut Friedrich (Frigyes) Pesty könnte die unterhalb des Wehrbaus entstandene Ortschaft Kraschowa (amtlich: Carasova) den Namen Krassóváralja getragen haben. Pesty vertritt die Meinung, dass die Burg schon seit 1230 als dokumentarisch belegt betrachtet werden könnte, weil in einer Urkunde Königs Andreas II. das im „Comitatus Crassu“ gelegene Gut „Woyla“ erwähnt wurde. Urkundlich belegt ist „Krassó vára“ (castro de Crassou) namentlich erst in einer Urkunde des Königs Béla IV. im Jahre 1247.
Die Kraschowaer Burg stand 300 Meter vom Rande der Landstraße Reschitz – Anina, die eine der schönsten Landschaften des Banats durchquert. Die Burgruinen sind in einer Entfernung von 17 km von Reschitz und 3 km von der heutigen Ortschaft Kraschowa vorzufinden. Die Burg stand auf einem steilen 200 Meter hohen Felsen, oberhalb der wilden Karasch-Schlucht, die die Aninaer Berge vom Semenik-Gebirge trennt. Der Wehrbau konnte nur sehr schwer über einen Reitweg erreicht werden. Laut Dr. Theodor. N. Trâpcea war vor dem Tor ein Wehrgraben in den Fels geschlagen, um hier eventuelle Angreifer festzuhalten. Die Seitenwände waren nicht vollständig aus Mauern, da man als Ersatz auch die vorhandenen Felswände benutzte. Aus diesem Grund hatte der Wehrbau die Form eines „ondulierten“ Vierecks, das in fünf kleine Räume aufgeteilt war. Die östliche Wand befand sich genau am Rande des Felsens, oberhalb der Schlucht. Die nördliche Wand und eine 200 Meter lange Felswand schloss einen Innenhof ein. In diesem ist eine Vertiefung zu sehen, die ein Brunnen gewesen sein könnte, oder nach einer von Dr. Trâpcea erwähnten Legende sogar ein unterirdischer Fluchtweg. Franz Engelmann zitiert eine Legende, nach der sich auch noch in unseren Tagen unter den Burgruinen Schätze befinden. Im 19. Jahrhundert grub man noch danach, aber gefunden wurde bis zur Zeit nur ein Krug mit Silbermünzen. Laut Dr. Trâpcea hatte die Burg auch ein Stockwerk, so dass sie eine Höhe von 15 Metern erreichte, aber davon ist bis in unseren Tagen nur noch weniger als die Hälfte übrig geblieben. Vom Obergeschoss soll der Wächter weit über die Karasch-Klamm hinaus bis zur Prolas-Burg Aussicht gehabt haben.
Die Ruinen der Kraschowaer Burg (nach Dr. Th. N. Trâpcea)
Im Laufe der Geschichte ist die Kraschowaer Burg bis zu ihrem Verfall ab dem 16. Jahrhundert, noch einige Male erwähnt worden. 1396 versammelten sich hier Kreuzritter, die gegen Nikopolis zogen. 1428 (laut Engelmann 1430) erholte sich auf der Burg der ungarische König Sigismund nach seiner Niederlage unter den Mauern der Golubatscher Burg. Dr. Trâpcea schreibt, dass es 1451 und 1457 urkundlich belegt wurde, dass die Burg damals Sitz eines walachischen „Distriktcomes“ war. Pesty schildert für diese Zeit mehrere Streitigkeiten und er berichtet auch über Gehorsamsverweigerungen, sowohl seitens der Leibeigenen als auch seitens der Adligen Aus diesem Grund soll laut Pesty um das Jahr 1520 das Kraschowaer Bezirk aufgelöst und nie wieder erwähnt worden sein. Nach dem Autor soll die Burg sogar in Privatbesitz übergegangen sein.
1551 haben die Türken auf ihrem Eroberungszug in Richtung Temeschburg auch die Kraschowaer Burg eingenommen. 44 Jahre später, 1595 befreiten siebenbürgische Truppen, als Bestandteil der Christlichen Liga, Kraschowa vom türkischen Joch, aber dies bedeutete zugleich auch der Untergang der „Felsenburg“. Sie verlor nach der Rückeroberung an Bedeutung, und das soziale Leben verlagerte sich mit der Zeit in die nahegelegene Ortschaft Kraschowa, die in jener Zeit zum Marktflecken („oppidum“) erhoben wurde. Die Burg geriet bald in Vergessenheit, und nach sehr langen Zeitabständen wurde sie immer wiederentdeckt. Heute sind ihre Mauern leider schon sehr verwittert, aber sie scheinen noch immer, als wären sie aus der Felswand gewachsen.
1991 Anton Zollner