Die Tschakowaer „Kula“ ist das Überbleibsel der von Franz Engelmann als „einziger mittelalterlicher Wehrbau im Banater Flachland“ bezeichneten Burg. Sie steht fast genau in der Mitte der Banater Ebene und ist im Laufe der Zeit zum Wahrzeichen Tschakowas (heute: Ciacova) geworden. Die Einwohner Tschakowas nannten den Bau „Römerturm“ oder „Türkenturm“, aber beide Benennungen sind falsch. Den heutigen Namen „Kula“ erhielt sie von der im Ort ansässigen serbischen Bevölkerung und bedeutet soviel wie Turm. Der Turm war das Kernstück der einst 32 km südlich von Temeschburg stehenden Burg, die anfangs als „castrum Chaak“ bezeichnet und später „Csákvár“ genannt wurde. Die heutige Benennung Tschakowa stammt aus der Türkenzeit, als sich hier einige hundert, vor den Türken geflüchtete Serben niedergelassen haben, die aus dem „Csák“ Tschakowa machten. Der gleichnamige Ort in der Nähe der Burg ist viel älter als diese. Gheorghe Drinovan betrachtet 1222 als das Jahr der ersten dokumentarischen Belegung des Ortes. Karl Kraushaar schreibt, dass hier laut päpstlichem Steuerregister schon 1332 eine katholische Pfarrei eingerichtet war. Nach anderen Autoren ist die Siedlung 1243 in einer Urkunde des Königs Béla IV. erwähnt worden.
Über das Jahr der Errichtung der Tschakowaer Burg geben mehrere Autoren die verschiedensten Daten an. Theodor N. Trâpcea behauptet, dass der Bau im dritten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts dokumentarisch belegt wurde. Franz Engelmann vertritt die Meinung, wonach man die Burg Ende des 14. Jahrhunderts erbaut hatte. Drinovan ist derselben Meinung und gibt sogar 1390-94 als die genauen Baujahre an. Ungarische Autoren vertreten die Meinung, wonach es die Burg „Csák“ schon vor 1395 gegeben hat, da sie davor „eine der bedeutendsten königlichen Schenkungen im Temescher Komitat war“ (wahrscheinlich mit dem dazugehörenden Gut). Engelmann zitiert eine Urkunde aus dem Jahr 1395, wonach „Nicolaus Chaak, comes Temesiensis“ für sein „Gut Chaak“ und das „castro similiter Chaak“, das in Königsbesitz übergegangen ist, mit anderen Liegenschaften entschädigt wurde. Derselbe Autor schreibt auch, dass 1396 die Türken unter den Mauern dieser Burg geschlagen wurden. Kraushaar behauptet weiter: „Um diese Zeit (gemeint war 1332) war dieser Ort ungarisches Krongut und führte den Namen ‚Csák’, bis 1401 König Siegmund es an den Temeser Obergespan Nikolaus, Ahnherrn des gräflichen Hauses Csáky tauschweise übergab. Mit der Zeit wurde, wahrscheinlich durch die Csáky selbst, in der Nähe des Ortes ein Schloss erbaut ...“. Meines Erachtens tragen ungarische Quellen am meisten zur Klärung dieses Themas bei. Nach diesen schenkte König Sigismund (Zsigmond) zu einer nicht genannten Zeit, dem Adligen Nikolaus (damals trug man nicht ungedingt einen Nachnamen), der sich gelegentlich Piliskei oder Zsidói nannte für seine Tapferkeit in Kämpfen die Burg und das Gut Csák. Als Gutsherr von Csák nahm sich Nikolaus den Nachnamen Csáky an und verlieh diesen auch seiner Familie (Brüder). 1395, als Csáky Comes (Obergespan) des Temescher Komitat wurde, machte der König wieder einen Gütertausch, wonach die Burg und das Gut Csák (wie oben schon erwähnt) wieder in den Besitz des Königs zurückgenommen wurde. Aus all dem ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Burg im Jahre 1395 schon existierte. Ungarische Quellen bestätigen weiter die letztere Aussagen Kraushaars, wonach Csák 1401 endgültig in den Besitz der Csáky überging. Eine interessante Aussage macht Drinovan in seiner „Mikromonographie des Kreises Temesch“ – 1972, wonach die Tschakowaer Burg 1395 niedergerissen und erst sechs Jahre später wiedererbaut wurde. Ein weiterer Wiederaufbau der Burg soll 1605 stattgefunden haben, als der Ort Tschakowa über Stadtrechte verfügte.
Die bis heute erhaltengebliebene „Kula“ hat eine rechteckige Form mit dem Grundriss von 10,90 x 9,80 Metern und einer Höhe von 23,70 Metern. Auf dem obersten Teil des viergeschossigen Baus befindet sich eine Terrasse, die zur Beobachtung der Umgebung und zur Abwehr feindlicher Angriffe diente. Sie ist von einer meterhohen krenelierten Wand umgeben. Die Fenster waren hoch und schmal und schlossen oben bogenförmig ab. Im Unterschied zu fast allen anderen Banater Burgen wurde diese ausschließlich aus Brennziegeln gebaut. Im Erdgeschoss sind die Mauern 2,70 Meter dick, und der Eingang war nur über eine Falltreppe zu erreichen. Von hier führte eine Treppe auch zu einem unterirdischen Gang, der aber jetzt eingefallen ist. Eine Legende sagt, dass der unterirdische Fluchtweg einmal bis zur spurlos verschwundenen Burg Obad oder sogar bis nach Werschetz (heute Vršac – Jugoslawien) führte. Dass hier unterirdische Gänge tatsächlich existierten, hat man bei Bauarbeiten auf dem Marktplatz festgestellt. Bei einer genauen Beobachtung kann man noch immer die Umrisse der erweiterten Burg erkennen. Die Burg war außen von einem Wassergraben umgeben, in dem man das Wasser aus der in der Nähe fließenden Temesch (heute nur noch ein toter Arm) zuleitete. 1898 wurde die „Kula“ vom Tschakowaer Baumeister Brandeiß (dem Vater des Temeschburger Musikers Josef Brandeiß) renoviert und in einen Feuerwehrturm umfunktioniert. 1936 baute man die „Kula“ zu einem Wasserturm um. Bei all diesen Bauänderungen ging selbstverständlich auch viel Originelles verloren. Während der 1962-63 durchgeführten Restaurierung hatte man dann einiges wieder hergestellt. Als Folge des starken Erdbebens von 1991 und der in der Nähe gelegenen Eisenbahnstrecke, befindet sich die „Kula“ in einem sehr verfallenen Zustand. Dazu trägt auch der 100 Kubikmeter große Wasserbehälter bei, von der aus Tschakowa mit Trinkwasser versorgt wird.
Die "Kula" von Tschakowa in unserer Zeit
(nach Hans Brunn)
Über die Vergangenheit der Tschakowaer Burg berichtet einiges der Temeschburger Historiker Dr. Trâpcea. Die reiche Umgebung Tschakowas lockte die Türken herbei, und da sie im Flachland lag, schien sie leicht zu erobern zu sein. Dies veranlasste 1417 einen türkischen Angriff auf Tschakowa. Der Temescher Comes (Obergespan) Pipo Spano de Ozora kam den Tschakowaern zu Hilfe und vertrieb die Türken bis jenseits der Donau. 1463 errichtete man einen Erdwall, der die Burg und den Ort Tschakowa sowohl von militärischen Angriffen als auch von Überschwemmungen der Temesch schützen sollte. Nach mehreren vergeblichen Versuchen ist es 1551 den Türken gelungen, Tschakowa kampflos in Besitz zu nehmen. Nachdem Becse und Groß-Betschkerek von den Türken eingenommen wurde, lag ihnen vor Temeschburg nur noch Tschakowa im Wege. Die Besatzung war für einen langen Verteidigungskampf bereit, aber die serbische Bevölkerung Tschakowas verriet den Türken die Geheimnisse der Verteidigung des Wehrbaus. In der Türkenzeit wurde statt des alten vernichteten Marktfleckens eine neue Ortschaft in unmittelbarer Nähe der Burg errichtet, die sich aber nach dem Karlowitzer Frieden von 1699 entvölkert hatte.
Als nach den Bestimmungen dieses Friedenvertrags alle Befestigungen an der österreichisch-türkischen Grenze gesprengt wurden, fand auch die Tschakowaer Burg 1771 ihr Ende. Die Burg wurde geschleift, und von ihr blieb nur der oben beschriebene Turm erhalten. In eine seiner Wände hatte man nur eine Bresche geschlagen, und die Geschossdecken wurden eingerissen.
Über die Geschichte des stolzen „Türkenturms“ können leider selbst die heutigen Einwohner des einstigen Stuhlbezirk- bzw. Rayonsitzes Tschakowa kaum Auskunft geben. Sie können nicht für den Erhalt des historischen Zeugnisse der Banater Geschichte sensibilisiert werden. Die zum Wahrzeichen des heutigen „Ciacova“ gewordene „Kula“ ist dem Verfall preisgegeben worden, weil diese Geschichte für die zugewanderten Neubürger, wie auch für die zuständigen Ämter nichts mehr bedeutet, wenn es nicht um den Nachweis „der Jahrtausende alte Bodenständigkeit der Rumänen auf dem Banater Boden“ geht.
Februar 1992
Anton Zollner