MITTELALTERLICHE BURGEN DES BANATS (22)
Die Schoimoscher Burg

Schoimosch (in den Urkunden ungarisch als “Solymos” bezeichnet; rum.: Soimos) ist eine der am besten erhaltenen „Banater“ Burgruinen. Da die Burg am rechten Ufer der Marosch stand, befand sie sich eigentlich auf siebenbürgischem und nicht auf Banater Boden, aber sie diente immer der Verteidigung des Banats. Diese Burg ist auch eine von den ganz wenigen, an der man in den ’60-er Jahren anfing Restaurations- und Befestigungsarbeiten durchzuführen. Leider wurde dieses Vorhaben in der Ceausescu-Ära unterbrochen und bis heute nicht wieder aufgenommen.

Die Burgruinen befinden sich auf einem 252 Meter hohen Felskegel, einem der letzten der südlichen Ausläufer der Zarander Berge. Sie liegen in der Nähe der Europastraße E-68 Budapest – Arad – Deva – Bukarest, östlich von den gewesenen Ortschaften Radna und Schoimosch (heute beide Ortsteile der Kleinstadt Lippa). Zusammen mit der Lippaer Festung, die schräg gegenüber am linken Ufer der Marosch stand, erfüllte sie die Rolle des „Tores zu Siebenbürgen“. Von hier aus wurde auch der Floßverkehr auf dem Fluss überwacht. Bekanntlich wurde das Salz aus Siebenbürgen mit dem Floß auf der Marosch und der Donau nach Mitteleuropa befördert.

Wie der Wehrbau im 16. Jahrhundert nach Dr. Theodor N. Trâpcea ausgesehen haben könnte, lässt der abgebildete Bauplan erahnen. Er bestand aus zwei trapezförmigen Wehrmauern, der Innen- und Außenmauer. Diese schlossen zwei Höfe ein: den Außenhof (A), der eigentlich ein Gang mit einer Breite von 2-3 Metern am nördlichen Ende und bis zu 7-10 Metern vor dem Haupttor (d) war, und den Innenhof (B) mit einer Länge von 15 Metern und einer Breite von 10 Metern. Entlang der nördlichen Seite der Innenmauer, die 1,50 Meter dick war, befanden sich die Wohnungen des Kastellans und der Garnison (l). An der südlichen Seite waren der Rittersaal (j) und die Kapelle (n) eingerichtet. Diese Räumlichkeiten bildeten das Kastell, das mit Schindeln bedeckt war. Das Erdgeschoss diente als Lager für Waffen, Munition und Lebensmittel. Im 16. Jahrhundert hatte man auch einen Brunnen (i) gegraben. Im nordwestlichen Winkel befand sich der Kerker (u). Das Kastell-Gebäude war mehrgeschossig, nachdem es im 15. Jahrhundert mit einem zweiten Stockwerk ausgebaut geworden sein soll. Damals wurden die Burgmauern von 10 auf 15 Metern erhöht. An der südwestlichen Seite der Innenmauer erhob sich die alte Bastei (t). In der Südecke der Mauer befand sich auch das kleine Tor (h) und der Kellereingang (s). Das Tor zum Innenhof (g), das eigentlich einen Gang bildete, trennte den Rittersaal von den Wohnungen. Entlang der östlichen Außenmauer befanden sich oberhalb des Abgrunds 16 Mauerstützen (b), die die Mauer befestigten. Die Außenmauer war im Norden mit der 27 Meter hohen Hauptbastei (f) versehen. Die Burg betrat man durch das Haupttor (d) im südlichsten Teil der Außenmauer, nachdem man über eine Zugbrücke gehen musste. Die Außenmauer, die immer eine niedrigere Höhe als die Innenmauer hatte, war von einem 4-5 Meter tiefen in den Felsen gegrabenen Wehrgraben (v) umgeben. Der Graben war an der Süd- und Südostseite der Außenmauer unterbrochen, da hier der Bau auf einer steilen Wand errichtet war. Zur Errichtung des gesamten Wehrbaus wurden hauptsächlich Felssteine verwendet.

Der Bauplan der Schoimoscher Burg (nach Dr. Trâpcea)

Die Schoimoscher Burg ist laut Dr. Trâpcea wahrscheinlich in den frühesten Zeiten errichtet worden. Er vermutet, dass sie nach dem Tatareneinfall von 1242 wiedererrichtet wurde. Nach ungarischen Quellen ließ sie der Severiner Banus Paul Ende der ’70-er Jahren des 13. Jahrhunderts erbauen.  Dokumentarisch belegt ist die Burg seit 1278, als laut Ioan Hategan „der Banus Paul aus Schoimosch Weingärten aus dem Ort und aus Minisch dem Comes Pousa schenkte“. Weiter wird der Bau öfters in Urkunden erwähnt, in denen von Unruhen oder hauptsächlich von Eigentumswechsel die Rede ist. Später gelangte die Burg in den Besitz des siebenbürgischen Fürsten Ladislaus (László) Kán. Nach Hategan war Schoimosch 1311 als königliche Burg erwähnt. Einige Amtsträger, die in jener Zeit auf der Burg ihren Sitz hatten, war der Arader Comes Dionysius (1311) und später Thomas (1319). Als Kastellan war 1335 Sinka und 1360 der Magister Stefan (Sohn von Benedikt) verzeichnet. 1398 fungierten als Kastellane Ladislaus (Sohn von Peter) und Johann (Sohn eines anderen Peter), die später Arader Vizegespane wurden.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts befand sich die Burg im Besitz verschiedener Adligen, bis sie dann wieder in Königsbesitz gelangte. Am 9. Dezember 1440 schenkte der ungarische König Wladislaw (Ulászló) I. Schoimosch mit den dazugehörenden Dörfern den Brüdern Michael (Mihály) und Johann (János) Gúthi Ország. 1446 gelangte die Burg mit den dazugehörenden Güter in den Besitz von Johann Hunyadi.

Der Gouverneur Ungarns erkannte schon damals die Gefahr, die seitens der Türken drohte. Darum baute er die Schoimoscher und Lippaer Burgen zu zwei Bollwerken an der Marosch aus, die die Ausbreitung des Osmanenreiches aufhalten sollten. Hunyadi ließ die Burgmauern um 5 Meter erhöhen und die Basteien im spätgotischen Stil hinzubauen. Einige Bruchstücke dieser Elemente sind bis heute erhalten geblieben. Für den Ausbau der Burg verpflichtete er die Baumeister, die das Prachtkastell von Eisenmarkt (ung.: Vajdahunyad; rum.: Hunedoara) errichtet haben. Mit der Aufsicht der Arbeiten beauftragte er seinen  Vertrauensmann, den Kastellan Blasius Kezy. 1453 wurde die Schoimoscher Feudaldomäne, zu der nun auch Lippa gehörte durch eine königliche Urkunde der Hunyadi-Familie zugesprochen, was drei Jahre später noch einmal bestätigt wurde. Laut Hategan soll der Ort Schoimosch 1459 erstmals als „oppidum“ (Marktflecken) erwähnt worden sein, was auf einen wirtschaftlichen Aufschwung schließen lässt.

Nachdem der böhmische Söldner Ján Giskra von Brandys im April 1462 aus dem Lager der Königsgegner in das des Königs Matthias Corvinus (der Sohn Johann Hunyadis) übergetreten ist, gab er seine Burgen dem König ab und erhielt dafür 25.000 Golddukaten und dazu die Schoimoscher und Lippaer Burgen. Dafür blieb er bis zum Ende seines Lebens Matthias treu. Nach einigen Jahren kam die Schoimoscher Burg in den Besitz des Arader Comes Nikolaus (Miklós) Bánffy. Wegen den Übergriffen des damaligen Kastellans Nikolaus Berendy, wie auch anderer Adligen, soll König Matthias 1487 zur Besetzung der Burg aufgerufen haben. So kam Schoimosch dann wieder in den königlichen Besitz. In dieser Zeit waren Franz (Ferencz) Harazthi, Georg (György) Marcziny und Ladislaus (László) Pethö als Kastellane bekannt. In diese Epoche fällt auch der Ausbau der Burg, der ihr ein renaissance-typisches Aussehen gab. 1490 ist der uneheliche Sohn des Königs, Joannes Corvinus, als Besitzer der Schoimoscher Burg vermerkt. Doch als er nach zwei Jahren verstarb ging sie in den Besitz seiner Witwe, Beatrice Frangepan über, da er keinen Nachkommen hatte. Der deutsche Markgraf Georg von Brandenburg wurde durch die 1511 geschlossene Ehe mit der Witwe der nächste Besitzer der Burg und zugleich der unangefochtene Eigentümer von 252 Dörfern, samt der Lippaer Festung.

Hategan liefert für das Jahr 1513 einige Wirtschaftsdaten, die das Bild über die Schoimoscher Burg beträchtlich erweitern. So erfährt man einiges über die Besatzung und deren Besoldung. Der Kastellan ist mit 100  und sein Vize mit 50 Florins (fl) bezahlt worden. Die zehn Soldaten erhielten als Torwächter je 8 fl und die beiden Wachen je 6 fl. Der Koch und der Pförtner bekamen jeweils nur 4 fl. Das Einkommen des Schoimoscher Guts, dem 100 Dörfer angehörten, belief sich auf 1.059 Florins und 12 Denars. Die Getreideernte ergab samt der Zehnte 6.115¼ Kübel Weizen und 1.098½ Kübel Gerste und Hafer. Das Gut verfügte in jenem Jahr auch über 409 Schweine und produzierte 31 Fass Wein.

Am 7. Juni 1514 stand der Aufständische Georg Dózsa mit seiner Bauernschar vor den Toren der Schoimoscher Burg. Aber schon einige Tage davor erhoben sich die Bauern aus der Umgebung, weil sie die Unterdrückung Georgs von Brandenburg nicht mehr ertragen konnten. Gregor, der Bruder Georg Dózsas kam ihnen zu Hilfe. Nachdem Lippa am 4. Juni gefallen war, überquerten die Aufständischen die Marosch und griffen die Schoimoscher Burg an. Der Kastellan (Burgvogt) Georg Prantner, ein deutscher Söldner, und sein Sekretär, der Kaplan Matthias Künisch, waren zur Verteidigung der Burg entschlossen, und sie schlugen anfangs die Aufständischen auch zurück. Auf die Aufforderung, die Burg kampflos zu übergeben, gingen sie, trotz Versprechen, die Söldner frei  abziehen zu lassen, nicht ein. Darauf folgte am 9. Juni die Belagerung und der Fall der Festung, was aber von den Autoren unterschiedlich dargestellt wird. Dr. Trâpcea berichtet, dass es den Aufständischen gelungen sei auf die Mauern zu steigen und von dort einige Fackeln in das Munitionslager zu werfen. Darauf ereignete sich eine Explosion, die die Westmauer einriss. Aus Angst schlossen sich die Söldner den Aufständischen an und öffneten am 10. Juni die Burgtore. So ähnlich berichteten auch Franz Engelmann und Walther Konschitzky, behaupten jedoch, dass die Besatzung, die aus walachischen und ungarischen Söldnern unter der Führung des Wojwoden von Tschytschi (die walachische Wojwodschaft Ciuci, heute Gemeinde Vârfurile) bestand, die Tore öffneten. Hategan schildert die damaligen Geschehnisse ausführlicher. Während der Belagerung ist es den Aufständischen gelungen, durch Kanonenschüsse den Pulverturm in die Luft zu sprengen, wodurch ein heftiger Brand entstanden ist. Auf die wiederholte Aufforderung zur Kapitulation entschloss sich der   Gefängniswärter Benedikt zur Übergabe der Burg. Inzwischen floh Kaplan Künisch unter dem Vorwand, Verstärkung zu holen. Danach soll der Burgvogt und der Wojwode von Tschytschi die Söldner überredet haben, die Tore zu öffnen, was dann am 10. Juni 1514 auch geschah. Die beiden sollen sich dann den Aufständischen angeschlossen haben, während die deutsche Söldner, der Burgvogt Georg Prantner und sein Sekretär Künisch in die Lippaer Festung gebracht und dort freigelassen wurden.

Nach der Niederlage der Aufständischen bei Temeschburg und die Hinrichtung Dózsas begann der Rachezug des örtlichen Adels gegen die Bauern der Umgebung. Georg von Brandenburg verkaufte zugleich die Schoimoscher und Lippaer Burgen samt Güter dem siebenbürgischen Fürsten Johann Zápolya (eigentlich Szapolya). Hategan schreibt aber, dass der Fürst wegen Rechtsstreitigkeiten die Burgen und die dazugehörenden Güter 1516 abtreten musste. Der neue Käufer, eine Adelsfamilie, zahlte dafür 22.000 Florins und verschenkte sie dann wieder dem Fürsten. 1527 brach in der Gegend ein neuer Aufstand aus, an dem sich walachische, serbische und ungarische Bauern beteiligten. Ihr Anführer war Iovan Nenada, der in der Geschichte als „Schwarzer Mann“ eingegangen ist; seine Anhänger nannten ihn „Schwarzer Iovan“. Die Adligen flüchteten in die Schoimoscher Burg, während Zápolya (der inzwischen am 11. November 1526 zum zweiten König Ungarns – neben Ferdinand I. in Westungarn – als Johann (János) I. gekrönt wurde) die Burgmauern befestigte. Die entscheidende Schlacht fand aber nicht hier, sondern auf dem Gut der Burg Zewdy (wo das Kolonistendorf Schöndorf, das heutige Frumuseni angesiedelt wurde). Der Aufstand endete mit der Niederlage der Leibeigenen, aber auch das Kastell ist während der Kämpfe zerstört worden.

Von da an war die Schoimoscher Burg eng mit der Person des Fürsten (Königs) Zápolya verbunden. Nach seinem Tod 1540, als in Siebenbürgen verwirrte Zeiten anbrachen, fand seine Witwe Isabella (geb. Jagelló) mit ihrem Sohn, der im Alter von einem Jahr zum Regenten Ungarns als Johann II. ernannt wurde, auf Schoimosch Zuflucht. Während dieser Zeit, mit der Erhebung zur königlichen Residenz, erlebte die Burg eine neue Blüte. Am Bau wurden Änderungen im Renaissance-Stil durchgeführt, und das Kastell erhielt ein Prachtaussehen. Damals entstand auch der berühmte „Balkon der Königin Isabella“, dessen Spuren auch heute noch zu sehen sind. Gleichzeitig erlebte aber die Bauernschaft aus der Umgebung ihre schlimmsten zwei Jahre. Hategan notiert aus diesen Zeiten einige Namen von Kastellanen, wie Georg Basy (1523) und Stefan Zabo (1547). Das Kastell „Scholmosch“ erwähnte 1528 auch  der Augsburger Fugger’sche Agent Hans Dernschwam in seinem „Bericht über den siebenbürgener Salzbergbau“.

Die Ruinen der Schoimoscher Burg im Mai 1977

                                                                                     Foto: Erich Scholz

Die Blütezeit der Schoimoscher Burg hielt aber nur eine sehr kurze Zeit an, weil 1551 die Osmanen vor ihren Toren standen. Als die Nachricht vom Fall Temeschburgs und Lippas Schoimosch erreichte, ergab sich die Garnison der Burg ohne Widerstand. Kurz danach eroberte das christliche Heer unter der Anführung des Generals Giovanni Battista Castaldo Schoimosch zurück, aber schon 1552 befand sie sich wieder in türkischen Händen. Erst 1595 konnte Schoimosch mitsamt den anderen an der Marosch gelegenen Burgen von Georg Borbély, dem Heerführer des siebenbürgischen Fürstentums, wieder befreit werden. Laut Dr. Trâpcea und Engelmann ist die Schoimoscher Burg 1599 vom walachischen Wojwoden Michael dem Tapferen mit Hilfe der lokalen walachischen Bevölkerung für kurze Zeit eingenommen werden. Nach dem Abzug des Wojwoden konnten die Osmanen bis 1616 von der Burg ferngehalten worden. In dieser Zeit war sie der Lippaer Festung unterstellt. Hategan gibt für das Jahr 1607 den Karansebescher Johann Pribek als Schoimoscher Kastellan an. 1616 gelangten die zwei Wehrbauten an der Marosch wieder unter den Halbmond. Der rumänische Autor schreibt, dass 1626 die türkische Garnison von Schoimosch aus 100 Reitern und 100 Fußsoldaten bestand. Nach Dr. Trâpcea besuchte 1661 der türkische Reisende Evliya çelebi (Tschelebi) unter anderem auch diese Burg, die er wie folgt beschreibt: Sie befindet sich auf dem Boden des Lippaer Sandschaks am Ufer der Marosch. Sie steht auf der Spitze eines Hügels und ragt „bis zum Himmel“. Die Garnison bestand aus 70 Soldaten. Das Dorf Schoimosch am Fuße des Berghügels bestand aus 300 Häusern, eine Zahl, die wahrscheinlich wie bei çelebi üblich, übertrieben ist. Er behauptet auch, dass zwischen der Schoimoscher Burg und Lippaer Festung einen unterirdischen Gang gegeben haben soll, eine Behauptung, die bis heute als Legende überlebte.

Am 26. März 1688 belagerten laut Hategan die kaiserlichen Truppen die Schoimoscher Burg, aber in ihren Besitz kamen sie erst 1699. Laut Dr. Trâpcea soll der General Caraffa die Burg in Feuer gelegt haben. Er behauptet, dass damit ihre Rolle in der Jahrhunderte lange Geschichte dieses Landstrichs beendet war. Engelmann wiederspricht aber diese Aussage und behauptet, dass die letzte Garnison erst 1788 von hier abgezogen wurde. Mit dem Abzug der Besatzung begann der allmähliche Zerfall einer der berühmtesten „Banater“ Burgen, einem Zerfall der sich leider auch heute noch fortsetzt.

Mai 1992                                                                                                                             Anton Zollner