BANATER WAPPEN

1. Das Wappen der Hauptstadt des Banats

Gleich nach der Befreiung Temeschburgs vom Türkenjoch erhielt die Landeshauptstadt des Temescher Banats ihr heraldisches Symbol. Laut Walter Jass soll der deutsche Magistrat der Stadt schon 1717 eine Petition an die Banater Landesadministration eingereicht haben, in der für die Bewilligung eines Stadtwappens plädiert wurde. Dieses erste Stadtwappen, das von der Landesadministration genehmigt wurde, zeigte „ein Stück eines palisadierten türkischen Wall's, in dessen Mitte sich zwischen zwei Schutztürmen der Torschlag öffnet" (Béla Schiff). Laut Hans Diplich war dieses Wappen schon 1718 auf dem Stadtsiegel des deutschen Magistrats zu sehen. Francesco Griselini behauptet, dass dieses Stadtwappen schon 1730 (!?) an der Stirnwand des Magistratsgebäudes als Relief angebracht wurde. Dies kann aber nicht möglich gewesen sein, weil mit dessen Bau erst 1731 begonnen wurde, und seiner Bestimmung hat man das „Stadthaus" erst 1734 übergeben. Griselini zitiert auch den lateinischen Text, der auf beiden Seiten des Wappens angebracht war. Die vom Jesuitensuperior Paul Falk verfasste Inschrift lautete:

Olim quid fuerim, praesens insigna docebit,
Moenia quae circum Turcica structa vides
Caesareis vicit princeps Eugenius armis,
Quae tibi nunc fulgent, Mercius arte tulit

Dent autem Superi, postrema in saecula mundi
Optata hac semper conditione fruar.
Qua fruor augustis aquilae dum protegor alis,
Dum regit haec Sceptris Austria viva suis.

Die Übersetzung des ersten Teils lautet:

Was gewesen ich einst, das soll dies Zeichen dich lehren.
Rings auf türkische Art siehst du die Wälle erbaut,
Die mit des Kaisers Heeren der Prinz Eugen überstiegen.
Stolz prangt heute der Wall, Mercy's vollendeter Bau.

Bei der Übersetzung des zweiten Teils scheint es Schwierigkeiten gegeben zu haben, sowohl ins Rumänische (Dr. Nicolae Iliesiu) als auch ins Deutsche (Béla Schiff). In den letzten Versen wird der „erhabene Adler Österreichs" verherrlicht.

Nach Dr. Anton Peter Petri soll die Hammer'sche Übersetzung folgend lauten:

"Was ich gewesen einst, wird dieses Zeichen dich lehren,
Siehe die Mauern, die ringsum durch Türken erbaut,
Eugen war's, der sie mit des Kaisers Waffen bezwungen,
Jene, die nun du schaust, stiegen durch Mercy empor.

Geben die Götter, daß noch ins letzte Jahrhundert der Welten
Dauern mir bleiben mag dieser erwünschte Bestand:
Der mir vergönnt, seit glorreich mich schirmt die Schwinge des Adlers,
Segensverbreitend hier Österreich's Zepter regiert."

Abb.1- Das erste Stadtwappen Temeschburgs mit der lateinischen Inschrift
auf der Stirnseite des „Alten Rathauses" (nach Béla Schiff)

Dies führte aber schließlich auch dazu, dass 1909 die auf der Abb.1 noch erkennbare Inschrift von den ungarischen Behörden aus national-politischen Gründen entfernt wurde. Auf der Abb.2 ist das erste Temeschburger „Stadtwappen" erkennbar, so wie es auch heute noch auf der Stirnwand des „Alten Rathauses" zu sehen ist.

Abb.2- Das erste Stadtwappen Temeschburgs (nach dem Heimatbuch
„Temeschburg - Temeswar")

1778 wurde das Temescher Banat als Kronland aufgelöst und an Ungarn angeschlossen. 1781, mit der Erhebung Temeschburgs zur „königlichen Freistadt", erhielt die Stadt auch ein neues Wappen (Abb.3a), das laut Walter Jass durch den Freibrief des Kaisers Josef II. genehmigt wurde.

Abb.3a- Das Wappen der „königlichen Freistadt Temesvár" im Jahre 1781
(nach Walter Jass)

Béla Schiff gibt eine einfachere Form dieses Wappens an (Abb.3b). Das Stadtwappen ist diesmal nach allen Regeln der Heraldik angefertigt worden. Das barocke Wappenschild ist in der Mitte geteilt, und die obere Hälfte ist in zwei Felder

Abb.3b- Das Wappen der „königlichen Freistadt Temesvár" im Jahre 1781
(nach Béla Schiff)

gespalten. In dem oberen rechten Feld befinden sich auf einem purpurnen Hintergrund vier Silberbalken, die die vier großen Flüsse des Banats darstellen: die Donau, die Marosch, die Theiß und die Bega/Temesch. In dem oberen linken Feld ist auf dem goldenen Hintergrund der alte Wasserturm Temeschburgs abgebildet. Durch das offene Tor des Turms ist ein Treibrad zu erkennen, und auf dem roten Turmdach wehen zwei identische purpurne Fahnen mit je einem silbernen Kreuz. Auf der unteren Hälfte des Wappenschildes ist die Temeschburger Festung dargestellt, vor der, auf der linken Seite ein silberner Streifen die Bega repräsentiert. Auf dem blauen Himmel ist rechts die goldene flammende Sonne und links die silberne sinkende Mondsichel zu sehen. Diese Himmelskörper symbolisieren den christlichen Sieg über das moslemische Türkenjoch. Diese untere Hälfte des Wappenschildes ist in allen folgenden Stadtwappen bis heute erhalten geblieben, geändert wurde lediglich die Form der Darstellung. Diese Abbildung ziert auch das Wappen der Donauschwaben in Deutschland. In der Mitte des Wappenschildes befindet sich ein goldenes Herzschild, auf dem der gekrönte kaiserliche Doppeladler mit dem Reichsapfel abgebildet ist. Darauf befinden sich die Initialen des Kaisers Josef II., „J. II.". Das große Schild ist von zwei Rössern als Schildhalter flankiert. Auf dem Wappenschild befindet sich eine mit Edelsteinen bestückte goldene Rangkrone. Das Wappen der königlichen Freistadt Temesvár fand auch im Stadtsiegel (Abb.4) seinen Platz.

Abb.4- Das Siegel der „königlichen Freistadt Temesvár" im Jahre 1781

Laut Richard Weber ist dieses Stadtwappen auch nach dem Anschluss des Banats an Rumänien fast unverändert beibehalten geblieben, was in späteren Zeiten undenkbar gewesen wäre. Als einzige Änderung, die man 1919 unternahm, war die Ersetzung des Josephinischen Herzschildes mit dem des Hohenzollern-Hauses. 1930 war es aber doch soweit, dass man am Temeschburger Stadtwappen einige weitere Änderungen unternommen hat, die den neuen Gegebenheiten gerecht wurden, da im aufgeteilten Banat, die Darstellung der „vier" banater Flüsse nicht mehr der Realität entsprach. Statt dessen fanden in dem oberen rechten Feld auf roter Grundfarbe die goldene Traiansbrücke mit der silbernen Donau ihren Platz. Darüber erhebt sich ein aufgerichteter goldener Löwe. Das neue Wappen (Abb.5) mit geänderter Form des Wappenschildes erhielt auch anstelle der zackigen Rangkrone einen kronenförmigen Wehrbau mit sieben Türmen auf das Wappenschild. Diese Türme sollten die sieben Provinzen des als Folge des Ersten Weltkrieges entstandenen Großrumäniens darstellen. Auch im unteren Teil des Wappenschildes wurde die Festung vereinfacht. Schließlich mussten auch die zwei Rösser aus dem Wappen der „königlichen Freistadt“ weichen.

Abb.5- Das zweite rumänische Stadtwappen „Timisoara"-s im Jahre 1930

Nach der Ausrufung der „Rumänischen Volksrepublik" hatte man im Lande alle Städte- und Kreiswappen abgeschafft. Erst Ceausescu ließ 1972, nachdem er seine national-kommunistische Orientierung offen legte, die Stadt- und Kreiswappen wieder einführen. Damals erhielt Temeschburg sein fünftes Wappen (Abb.6). Auch diesmal erhielt das Wappenschild eine neue Form, das aber nicht mehr gekrönt werden durfte. Von den drei Teilen des Wappenschildes sollte wieder das obere rechte Feld komplett geändert werden. Anstelle der Trajansbrücke mit dem Löwen sollte jetzt ein Symbol der „sozialistischen Industrialisierung" gesetzt werden. Der abgebildete Stromgenerator sollte aber auch auf die technische Tradition im Bereich der Elektronik anspielen. Die anderen Teile blieben im wesentlichen unverändert. Selbstverständlich musste auch das Hohenzollern-Herzschild einem sozialistischen Kennzeichen weichen. Die rechte Spalthälfte des Herzschildes ist mit dem Banner der Rumänischen Kommunistischen Partei und die linke mit der Landestrikolore bedeckt. Darauf wurde das Staatswappen der „Sozialistischen Republik Rumänien“ gesetzt.

Abb.6- Das kommunistische Stadtwappen Temeschburgs seit 1972

Nach dem Sturz Ceausescus im Dezember 1989 entfachte sich in Temeschburg eine Diskussion über ein neues Stadtwappen. Der Munizipalrat setzte sich schon 1992 für die Wiedereinführung des Stadtwappens von 1930 ein. Diesem widersetzten sich bestimmte Kreise, weil nach ihrer Meinung „die sieben Türme auf dem Wappenschild die Königskrone repräsentiere", dem aber von der Mehrheit des Munizipalrats widersprochen wurde. Schließlich wurde im September 1995 von den Vertretern der Stadt die Wiedereinführung des alten Stadtwappens von 1930 beschlossen. Im oberen linken Feld des Wappenschilds wurde die linke Fahne auf dem Wasserturm durch eine durchlöcherte Blau-Gelb-Rot-Trikolore ersetzt

Abb.7- Das Stadtwappen des postkommunistischen Temeschburgs seit 1995/96

(Abb.7). Diese Trikolore soll den Volksaufstand vom 16. Dezember 1989, der in Temeschburg ausgebrochen ist, symbolisieren. Trotz dieses Beschlusses wurde das Stadtwappen Temeschburg bis Mai 1997 offiziell nicht anerkannt. Jetzt hat auch der 1996 neugewählte Munizipalrat dieses heraldische Symbol angenommen und es zum offiziellen Stadtwappen Temeschburgs erklärt.

Juni 1997                                                                                                              Anton Zollner

Fortsetzung