Das Rekascher Gewerbe
Neben dem Feld-, Weinbau und in geringerem Maße auch der Viehzucht
betrieben die Einwohner Rekasch's auch Gewerbe. Mit der Erforschung des
Rekascher Gewerbes befasste sich neben Dr. Josef Stitzl hauptsächlich
der Temeschburger Journalist Luzian Geier. Dank ihrer Recherchen weiß
man heute, dass es in Rekasch mehr Handwerker gab als in der Umgebung.
Von Dr. Stitzl weiß man, dass 1853 in der Großgemeinde
ein Gewerbeverein gegründet wurde. Der erste Präses war Franz
Haßler, sein Stellvertreter Paul Staniszavlovics und der „Ladschreiber"
war Franz Jankovetz. Der Ausschuss setzte sich aus Emmerich Braun, Peter
Csokány, Thomas Ebenschweller, Gottlieb Eitler, Georg Kopp und Anton
Neumayer zusammen. Der Verein zählte anfangs 45 Mitglieder, seine
Gründungsmitglieder waren außer den oben Genannten noch: Paul
Csokány, Matthias Drauf, Franz und Leopold Ebenschweller, Franz
Fink, Jakob Fischer, Georg Griczer, Franz Hammerschmidt, Ferdinand Janicsek,
Achim Kobonyi, Adam Lehreter, Philipp Markovitsch, Franz Nanay, Stephan
Pali, Johann Palzer, Johann Peiß, Franz und Josef Ramholz, Josef
Rieger, Franz Sandora, Matthias und Michael Schäffer, Josef Sigeti,
Johann Sibert, Josef Sicsarovits, Johann Simmer, Gregor Steigberger, Reinhard
und Simon Tasch, Franz Tonsche, Johann Trefter, Alexander Udvaros, Jakob
Wichtmann, Anton, Johann und Josef Zdiarszky. 1857 hatte man sich auch
eine Vereinsfahne angeschafft. Aus diesem Verein entwickelte sich später
die Gewerbekorporation, zu deren Präses Johann Marschätzky, Vizepräses
Johann Bär und Sekretär Johann Divo gewählt wurden. Das
älteste von Luzian Geier aufgefundene Verzeichnis der steuerzahlenden
Gewerbetreiber ist jenes, das 1866 von der Temeschburger Lloyd-Gesellschaft
veröffentlicht wurde. In jener Zeit befand sich in Rekasch der Sitz
eines Handelskammer-Bezirks. Nach dem genannten Verzeichnis waren 1866
folgende Handwerker in der Großgemeinde tätig:
Bäcker: Johann Rogl; Barbiere: Franz Hassler, Anton Kubicsek und
Josef Rieger; Binder: Anton Bauer, Georg Frison, Georg Schönberger,
Jakob Stütz und Andreas Wagner; „Csismenmacher": Bernhard Killer,
Georg Kopp, Anton Marschätzky, Josef Michely, Leopold Unterhauser
und Alexander Wolfner; Fleischhauer: Gottlieb Eitler und Georg Wichtmann;
„ Glaserer": Andreas Heptner und Anton Zdiarszky d. Ältere (der Urgroßvater
meiner Gattin mütterlicherseits); Hutmacher: Stefan Gaspar; Kürschner:
Achim Kopányi; Lebzelter: Johann Balass; Lederer: Michael Schäfer,
Johann Marschätzky und Stefan Pallay; Riemer: Albert Schverepa und
Michael Zdiarszky (der Bruder von Anton Z. d. Ä.); Sattler: Franz
Holub; Schlosser: Michael Schulatz; Schmiede: Jakob Kosar, Melchior Lindemann,
Josef Tasch und Michael Tasch; Seifensieder: Paul Staniszavljevits; Seiler:
Georg Gieszer; Spengler: Franz Fuhrmann; Steinmetz: Anton Pera; Tischler:
Anton Herzog, Ferdinand Kreischer, Josef Lehretter, Anton Neymayer, Karl
Palzer, Johann Wetznik und Johann Zdiarszky (der Bruder von Michael und
Anton Z. d. Ä.); Wagner: Adolf Boszkovits, Josef Komlossy, Urban Marschätzky
und Johann Peisz.
Aus den Statistiken des Jahres 1899 erkennt man, dass sich die Zahl
der Gewerbetreibenden in 33 Jahren mehr als verdoppelt hat, und zwar von
48 ist sie auf 102 gestiegen. Dies war aber hauptsächlich den Zuwanderungen
zu verdanken. Nur wenige der 1866 angeführten Namen 1899 noch wiederzufinden,
dafür aber viele ihrer Nachkömmlinge aus der Familie. Man kann
neben den alten auch viele neue Handwerkerberufe im folgenden Verzeichnis
vorfinden: Bäcker: Janos Kozsar und Simon Mehltauer; Barbiere: Barbara
Bauer, Michael Stricker, Sidonia Trifon, Josef Tullius und Michael Tullius;
Binder: Anton Boici, Jakob Rieger, Johann Schönberger, zweimal Johann
Stitz und Michael Stitz; „Csizmenmacher" : Johann Botta; Schuhmacher: Johann
Augustin, Johann Hengelmann, Anton Killer, Josef Lindemann, Franz Lutz,
Anton Marschätzky, Matthias Pottichen, Anton Schütz, Nikolaus
Stricker und Johann Tasch; Fleischhauer: Andreas Kräftenrad, Johann
Marschätzky, Karl Mereszku und Urban Wichtmann; Glaser: Georg Tasch
und Anton Zdiarszky d. Ä.; Hutmacher: Josef Franzen; Kürschner:
Franz Demeter und Döme Gyukits; Lebzelter: Karl Bonomi d. J.; Riemer:
Adalbert Schverepa; Schlosser: Josef Bonomi und Josef Szodama; Schmiede:
Georg Birnstill, Johann Buschinger, Peter Haring, Ferencz Nagy, Julius
Neumann, Kristof Palcsek, Johann Tasch d. J. und Johann Thürbach;
Seiler: Anton Schütz, Franz Schütz und Ignatz Schütz; Spengler:
Martin Belko, Johann Nanay und Bertha Stein; Tischler: Ferdinand Franics,
Andreas Grosz, Johann Gulacsek, Josef Heptner, Anton Herzog, Nikolaus Heuer,
Ferencz Hollossy, Rezsö Hollossy, Georg Paul, Jakob Pelics, Eduard
Ramholz, Johann Schütz, Johann Skorczan und Johann Wetznik; Wagner:
Peter Klein, György Krisay, Janos Krisay, Urban Marschätzky,
Andreas Nanay, Edmund Reinfried und Karl Tasch; Bürstenbinder: György
Buda; Färber: Rosalia Müller; Gerber: Georg Hetzler d. Ä.,
Georg Hetzler d. J., Johann Heuer, Jozsef Krizsay und Matthias Stricker;
Maurer: Jakob Neger, Josef Paskovics, Michael Plehn und Valentin Wagner;
Rauchfangkehrer: Johann Wichnalek; Schneider: Josef Hengelmann d. Ä.
(der Großvater meiner Gattin väterlicherseits), Valentin Hengelmann,
Johann Hohn, Anton Huhn, Johann Martin, Josef Stricker, Karl Willinger
und Ferdinand Willinger; Tapezierer: Istvan Durda; Töpfer: Istvan
Vizkelety; Weber: Johann Fritsch; Würstler: Johann Mischon und Karl
Ramholz; Zimmerleute: Anton Buschinger, Nikolaus Buschinger, Michael Stricker
und Josef Temesz.
Laut Dr. Stitzl ist die Zahl der Gewerbetreibenden 1924 auf 122 gestiegen,
davon waren: 2 Bäcker, 9 Barbiere, 4 Fleischhauer, 2 Hutmacher, 2
Kürschner, 2 Riemer, 4 Schlosser, 9 Schmiede, 3 Seiler, 3 Spengler,
15 Tischler, 6 Wagner, 2 Bürstenbinder, 7 Gerber, 12 Maurer, 14 Schneider,
13 Schuhmacher, 6 Zimmerleute, 3 Faßbinder, 1 Kammerer und 3 Uhrmacher.
Die Herrenschneiderei von Josef Hengelmann d. Jüngere
- 1936-37
Im Bild: Michael König und Matthias Stricker (Gesellen),
Georg Hengelmann (als Gast),
József Varga (Lehrling), Josef Hengelmann d.J.
(Meister), Matthias Halmer
und Anna Hengelmann (die Meistergattin - als Aushilfe)
Für das Jahr 1928 führt Luzian Geier nur 61 (?) Handwerker
bzw. Meister an. In seinen Angaben bezieht er sich auf das Bukarester Jahrbuch
für Rumänien. Laut dieser Statistik sollen in jenem Jahr folgende
Handwerker in Rekasch verzeichnet gewesen sein:
Bäcker: Selig Eisenberg und Marcu Katin; Friseure: Johann Bär,
Christof Balczek, Franz Bauer, Josef Birnstill, Johann Franits, Peter Häring,
Josef Hengelmann, Johann Kohajda, Urban Marschätzky, Desiderius Palikutyevni
und Johann Vigh (auch als Bader tätig); Fleischer: Peter Klein, Johann
Marschätzky, Bela Mischon und Clara Mischon; Klempner: Filip Belko,
Karl Meinrich und Schönberger & Söhne; Schlosser: Adalbert
Bonomi, Augustin Killer, Josef Plehn, und Coloman Wawrinsky; Tischler:
Adam Brunner, Viktor Hengelmann, Augustin Mereszko, Gustav Mereszko, Johann
Schörnig, Ferdinand Vranits, Franz Vranits und Johann Zdiarszky (Sohn
von Anton Z. d. Ä.); Wagner: Peter Amschlinger, ? Druzsbaczky und
Ignatz Schütz; Bürstenbinder: Jakob Buda und Franz Poth; Maurer:
Franz Hengelmann (der Bruder von Josef H. d. Ä.), Franz Stricker,
Georg Stricker und Adam Weber; Rauchfangkehrer: Nikolaus Wichnalek; Schneider:
Paul Banyek, Josef Berzak, Josef Birnstill, Andras Boros, Franz Hengelmann,
Josef Hengelmann d. Ä., Valentin Hengelmann, Petru Iosif und Peter
Schörnig; Schuster: Josef Birnstill, Josef Hengelmann, Johann Heuer,
Michael Müller, Carol Nanay und Anton Schütz; Faßbinder:
J. Druzsbaczky und Jakob Tasch; Uhrmacher: Gheorghe Costa; Drexler: Franz
Schütz. Die Schreibweise der hier angeführten Namen entspricht
denen aus den amtlichen Unterlagen.
Die "Sommerschneiderei" von Elisabeth Neiszt (geb. Zdiarszky)
- 1928-29
Im Bild: Paula Bauer, Julia Zdiarszky (verh. Young) Anna
Zdiarszky (verh. Hengelmann) - Lehrlinge,
Elisabeth Neiszt (geb. Zdiarszky) - Meisterin, Maria
Katalinics (verh. Gyémánt) und Maria Jarics - Gesellen.
Im Hintergrund stehen Anton Zdiarszky (Vater von Julia,
Elisabeth und Anna) und die Putzfrau,
im Vordergrund die Tochter der Meisterin Wilhelmine Neiszt
(verh. Stark-Prexl)
In den Jahren des 2. Weltkriegs, aber besonders danach, hat das Rekascher
Gewerbe einen sehr starken Rückfall erlitten. Nachdem die Kommunisten
in Rumänien die Macht ergriffen hatten, wurden alle Handwerker gezwungen
handwerklichen Produktionsgenossenschaften beizutreten. Auf diesem Wege
wurden auch sie zu „Proletarier" gemacht. Zur Zeit gehören alle den
sechs dienstleistenden Einheiten der der Genossenschaft „Vointa" (Der Wille)
an. Es ist nur zu hoffen, dass jetzt, nach der „Revolution" auch das Rekascher
Gewerbe wieder einen neuen Aufschwung erleben wird. Leider werden bis dahin
auf den Firmenschildern keine Deutschen Namen mehr zu finden sein.
Februar 1990
Anton Zollner