Aus der Vorgeschichte der Temeschburger Festung (1)

Alle Autoren sind sich einig, dass es in der Zeit, als die Römer Dazien in ihre Provinz verwandelt hatten, auf dem Gebiet Temeschburgs oder in seiner Nähe einen Wehrbau mit dem Namen Zurobara oder Zambara gab. Auf der von Conrad Celtis entdeckten „Tabula Peutingeriana" (eine römische Straßenkarte aus dem 4. Jahrhundert, die nach dem Humanisten Konrad Peutinger benannt wurde) befindet sich Zambara in der Nähe der heutigen Ortschaft Jahrmarkt (amtlich: Giarmata). Laut Dr. Nicolae Iliesiu wurde während der Völkerwanderung von den Awaren an Stelle des zerfallenen Zambara die Festung Beguey errichtet, die ihren Namen vom Temesch-Arm Bega (Begh), an dessen Ufern sie stand, erhielt. Eigentlich war Beguey von den zwei Armen der Temesch, die ihr Flussbett ständig verlagerten, eingeschlossen. Diese waren nämlich die Große Temesch (der heutige Fluss Temesch) und die Kleine Temesch, die auch Begh oder Begej genannt wurde (der heutige Bega-Kanal). Karl Kraushaar vertritt auch die Meinung, dass der Keim des heutigen Temeschburg Beguey und nicht Zambara war und bezieht sich dazu auf Johann Nepomuk Preyers „Monographie der königlichen Freistadt Temesvár".

Vor den Awaren, die über dieses Gebiet von 553 an zweihundert Jahre lang herrschten, zogen hier nach der Römerherrschaft auch andere Völker durch, wie die Vandalen, die Goten, die Gepiden, die Sarmaten und nach einer kurzen Herrschaft Konstantins des Großen folgten die Hunnen. Nach der Vertreibung der Awaren durch Karl den Großen im Jahr 790 kamen die Petschenegen ins Banat, gefolgt am Ende des Jahrtausends von den Magyaren. Dr. Iliesiu vertritt die Meinung, dass vor den Magyaren auf diesem Gebiet Kumanen, Bulgaren und Walachen lebten. Auch Dr. István Berkeszi berichtet (so wie Dr. Iliesiu), dass der walachische Fürst Glad, der über das Gebiet zwischen der Donau, Theiß und Marosch herrschte, von den Heerführern Árpáds, und zwar Szoárd, Kadocsa und Boyta besiegt wurde. Ebenfalls Dr. Berkeszi verzeichnet in seiner „Kleinmonographie der königlichen Stadt Temesvár", dass dieses Gebiet vom ersten ungarischen König Stephan dem Heiligen an Ungarn angeschlossen wurde, nachdem er den walachischen Herrscher Achtum besiegte.

Bis zum Ende des ersten Jahrtausends wird aber weder Beguey noch Temeschburg dokumentarisch erwähnt. Dies könnte man damit erklären, dass in jener Zeit die wichtigste Stadt des Banats Tschanad (Csanád; heute: Cenad) war. Sie war auch der Sitz des Banater Bistums. Die Wohnsiedlung, die außerhalb der Festung entstanden war, und die den Namen der Festung trug, wurde noch für längere Zeit als „Dorf" eingestuft. Über die erste indirekte dokumentarische Belegung Temeschburgs schreibt Dr. Iliesiu. Er erwähnt eine Urkunde, in der 1203 ein gewisser Poth als Temescher Comes (Graf) bezeichnet wurde. Daraus zieht er folgende Schlussfolgerung: Wenn es 1203 einen Temescher Comes gab, dann muss es auch schon Temeschburg als Sitz des Temescher Komitats gegeben haben. Laut Dr. Theodor N. Trâpcea soll es schon 1177 einen Temescher Comes gegeben haben, aber er macht keine näheren Angaben zu dieser Behauptung. Auch Mihai Opris vertritt die Meinung, die Temeschburger Festung sei seit 1177 dokumentarisch belegt, aber die Urkunde ist verloren gegangen.

Unwidersprochen ist die Tatsache, dass die Temeschburger Festung als „castrum regius Temesvar" seit 1212 dokumentarisch belegt ist. Sie wurde damals in einer von König Andreas II. erlassenen Urkunde erwähnt. Laut Dr. Iliesiu schenkte dieser dem „Sebus"-er Comes (Schebuscher Comes) unter anderen auch das Gut Gyad aus der Nähe der Temeschburger Festung (terram Gyad ad quator aratra a castro Temesiensi). Dr. Berkeszi erwähnt 1900 dieselbe Urkunde, aber nach ihm ist der Beschenkte nicht der „Sebuser Comes", sondern der „Meister Sebus" (!?). Dr. Iliesiu vermutet aber, dass die Temeschburger Festung schon früher, und zwar im 10. Jahrhundert, errichtet wurde.

Da man aber diese Daten schon seit vielen Jahren (spätestens seit 1900) kennt, muss man sich die Frage stellen: Warum feierten die kommunistischen Machthaber im Jahr 1966 den 700. Jahrestag der Gründung Temeschburgs? Damals wurde auch der Grundstein eines Denkmals „Temeschburg - 700" auf dem Vasile-Pârvan-Boulevard (vor den Studentenheimen) gelegt, aber errichtet hatte man es niemals. An dieses Pseudojubiläum erinnert uns heute nur noch der Innenstädtische Lebensmittelmarkt, der den Namen „Timisoara-700" trägt.

Fortsetzung                                                                                                                     Anton Zollner