Die Temeschburger Festung unter dem Hause Luxemburgern (5)

Am 31. März 1387 wurde Sigismund von Luxemburg zum König Ungarns geweiht. Gleich danach ernannte er Stefan Losonczy (auch Lossontzy, Losoncius) zum Temescher Comes, vertrieb den Rebellenführer Johann Horváth aus Syrmien und verfolgte ihn, bis dieser schließlich in Fünfkirchen (Pécs) hingerichtet wurde.

1389 besuchte König Sigismund mit seiner Gattin Maria die Temeschburger Festung und weilte hier zwei Jahre lang. Von Temeschburg aus zog er dann gegen den serbischen Herrscher Stefan. 1392 fielen die Türken in Syrmien ein; dies war der erste Einfall der Osmanen in Ungarn. Von da an diente Temeschburg als „Kommandozentrum" des Königs im Kampfe gegen die Türken. 1396 fielen die Türken auch schon im Banat ein, und laut Kraushaar konnte nur die Temeschburger Besatzung ihre Plünderungen aufhalten. Aus diesem Grund hielt sich Sigismund 1396, 1397, 1409, 1426 und 1428 in der Temeschburger Festung auf. So ist es auch zu erklären, warum mehrere von Dr. Iliesiu erwähnten Urkunden vom König in Temeschburg erlassen wurden. Meistens ging es darin um Rechtsurteile in Sachen Liegenschaften.

König Sigismund von Luxemburg

Nach der Schlacht von Nikopolis (Bulgarien), in der der König von Böhmen und Ungarn fast sein Leben lassen musste, drangen die Türken bis in die Nähe Temeschburgs vor, vernichteten alles, was sie trafen und verschleppten dabei auch Menschen. Als Sigismund von seiner Flucht aus Konstantinopel über Dalmatien nach Temeschburg kam, berief er hier laut Dr. Iliesiu am 24. September 1397 (nach Karl Kraushaar am 25. Oktober) den Reichstag ein. Hier wurde der gesamte Adel des Landes verpflichtet, in Notfällen unter der Heerführung des Königs gegen den einfallenden Feind zu kämpfen. Er wurde auch dazu verpflichtet, nach 20 Leibeigenen je einen ausgerüsteten Soldaten dem Heer des Königs zur Verfügung zu stellen. Aber auch die Kirche musste die Hälfte ihres Einkommens für die Kriegskasse abgeben. Weitere Gelder für die Verteidigung des Banats verlangte der König auch vom Reichstag. Die Adligen erkannten die neue Gefahr aus dem Orient nicht und verweigerten ihren Beitrag. Dafür zwangen sie den König, bis Weihnachten alle Fremde aus seiner Nähe zu entlassen. Laut Dr. Iliesiu berief der König 1399 erneut den Reichstag nach Temeschburg ein, um Unstimmigkeiten mit dem Adel aus dem Weg zu räumen. Sigismund wählte diese Festung aus, um im Notfall von hier aus schnell gegen die Türken ziehen zu können.

Die Türkengefahr, der in erster Reihe Temeschburg ausgesetzt war, konnte noch für eine Zeit beseitigt werden, da die Mongolen unter Timur Lenk gegen die Türken zogen. Die Türken erlitten damals eine bittere Niederlage, der Sultan Bajasid wurde gefangen genommen und in einem Käfig nach Kleinasien verschleppt. Nach dem Tode Bajasids herrschte eine Zeitlang wieder Frieden in dieser Region.

Aus jener Zeit verzeichnet Dr. Iliesiu (nach J. N. Preyer) einige Namen von Temescher Comes, wie Ladislaus Sarow (1392) oder Nikolaus Csáky und Nikolaus Marcyaly (1396-1402). Für das Jahr 1402 ist der Walache Nikolaus Garai in diesem Amt erwähnt worden. Derselbe Autor gibt für die Jahre 1407-1424 als Temescher Comes einen „Pipo oder Phillip de Ozora" an. Griselini schreibt von einem Filip de Ozora, der 1414 in diesem Amt gewesen sei. Für Klarheit sorgt dann doch Franz Liebhard, der den italienischen „Condottiere (Führer) Filipo Scolari, Obergespan (föispán) von Temeswar" mit Pipo Spano gleichstellt. Daraus könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass Filipo Scolari und Pipo Spano ein und dieselbe Person waren, und zwar die von Dr. Theodor N. Trâpcea als den Severiner Banus erwähnten Pippo Spano di Ozora. Laut Liebhard ließ Pippo Spano zahlreiche italienische Künstler und Baumeister nach Temeschburg kommen, die dem Comes eine Residenz in italienischem Stil errichteten. Unter ihnen sollen auch der Maler Mazolino und der Architekt Amantini gewesen sein. Leider verschwanden im Laufe der Zeit alle Merkmale jener Tage.

Während dieser Zeit, 1418, fiel der türkische Beg von Bosnien Ikah oder Ishak wieder ins Temescher Gebiet ein. Sein Heer wurde aber vom Temescher Vizegespan Nikolaus Péterfy verjagt und er selbst umgebracht. 1419 vertrieb König Sigismund die Türken sogar aus Serbien und Bulgarien. Während der König dann aber in Böhmen gegen die Hussiten kämpfte, verwüsteten die Türken wieder mehrmals das Banat.

In den Jahren 1424-1439 wurden als Temescher Comes Stefan Rozgony und Stefan Bathos verzeichnet. In diesem Zeitspanne hielt sich Sigismund 1428 wieder längere Zeit in Temeschburg auf, nachdem er vor den Toren der Golubatscher Burg eine große Niederlage erlitten hat. Laut Kraushaar verbesserte der König 1432 die ungarische Kriegsverfassung durch ein Militärregest (Befehlssammlung), wonach die Komitate des Banats folgende Zahl von Reitern stellen mussten: Temesch 200, Tschanad 300, Kubin (Keve), Karasch (Krassó) und Torontal je 100. Bis zu seinem Tod 1437, wurden keine Besuche Sigismunds mehr in Temeschburg vermerkt.

Sigismunds Nachfolger, König Albrecht, regierte nur eine kurze Zeit von 1437 bis 1439. Als er im September 1439 an die Donau zog, um Semendria (heute: Smederevo) von den Türken zurückzuerobern, brach in seinem Lager die Ruhr aus. Trotz Auflösung des Heeres erkrankte auch der König „auf dessen Haupte vereint die Kronen von Deutschland, Österreich, Böhmen und Ungarn saßen", tödlich.

Über den Wehrbau Temeschburg aus dieser Zeit berichtet nur Mihai Opris (nach Niedermaier und Bleyer), und das nur sehr spärlich. Das Kastell wurde von Pippo Spano di Ozora repariert. Die „Stadt", die eigentlich noch die Bezeichnung „oppidum" (Marktflecken) trug, war in jener Zeit von Erdwällen und Palisaden umgeben. Sie hatte damals vier Tore: das Lippaer Tor („Praiko"), das Siebenbürger Tor, das Arader Tor und das Wasserturm-Tor. Alle Häuser des Marktfleckens waren aus Holz oder aus mit Spreu gemischtem Ton errichtet. Damals begann man auch mit dem Ausbau der beiden Vororten: die Kleine und die Große Palanka. Diese waren von Palisaden umgeben.

Ab 1441 wird Temeschburg und später auch ganz Ungarn mit dem Stamm der Corvins engstens verbunden sein. Sowohl Temeschburg als auch Ungarn wird unter den Corvins eine neue Blütezeit erleben.

Fortsetzung                                                                                                              Anton Zollner