Temeschburg vor dem Bauernaufstand (7)

Nach dem Tode des Königs Matthias wollten die ungarischen Adligen durch die Wahl eines schwachen Königs ihre Macht stärken. Schließlich wurde Wladislaw II., der Sohn des polnischen Königs Kasimir IV., der Nachfolger Matthias'. Sein erstes Unternehmen galt der Vernichtung der „Schwarzen Legion". Das war eine von Matthias gegen innere Unruhen gegründete böhmische Miliz. Nach ihrer Verlegung nach Szegedin sorgte die Legion auch im Temescher Komitat durch Raub, Mord und Brandstiftungen für Unruhe. Paul Kinizsy bekam so den Auftrag, diese in das Heer zu integrieren oder sie einfach zu vernichten. Der Comes Kinizsy hatte sich für die zweite Variante entschieden.

Als Reaktion darauf bemerkte man bei den Türken Bewegung, und darum sorgte der König für die Befestigung der Temeschburger Festung. Dies geschah unter der Aufsicht Kinizsys, der dafür auch sein eigenes Geld verbrauchte. 1492 besuchte Wladislaw II. Temeschburg, um die Befestigungsarbeiten zu besichtigen und weilte hier über einen Monat. Er wurde von Kinizsy empfangen, der trotz seiner Stummheit (er hatte seine Stimme am Schlachtfeld verloren) dem König Treue geschworen hat. Der hohe Adel war seinen Heeresverpflichtungen nicht nachgekommen, obwohl die Türken Ungarn zu erdrücken drohten. Kinizsy, obgleich alt und schwach, wünschte sich noch immer, Türkenköpfe zu jagen. Am 28. Januar 1494 hatte ihn der König zum „Judex Curiae" ernannt. Als die Türken dann auch ins Banat einfielen, führte er sein Heer über die zugefrorene Donau und stürmte zwei Schlösser, in denen Ali Pascha seine Schätze hielt. Kinizsy konnte mit den Kostbarkeiten abziehen, aber sie nicht auch genießen. Es erreichte ihn die Nachricht, dass Verschwörer Belgrad dem Ali Pascha in die Hände spielen wollten. Als Kinizsy bei Belgrad ankam, begannen die Türken schon, die Wälle zu besteigen. Er schlug die Türken von den Mauern zurück und vertrieb sie.

Paul Kinizsy

Danach eilte er dem König, der sich in Siebenbürgen befand, entgegen. Wladislaw II. kam mit dem  siebenbürgischen Fürsten Bartholomäus Drágffy am 25. September 1494 in Temeschburg an und weilte hier bis zum 30. September. Bei dieser Gelegenheit warf sich Kinizsy vor die Füße des Königs, danach deutete er auf die türkische Grenze und voller Begeisterung ergriff der Alte „mit Jünglingskraft sein Schwert, als befände er sich schon inmitten der heißen Türkenschlacht" (Kraushaar). Mit 14.000 Mann durchstreifte und plünderte er mit Drágffy Serbien, und als er eben auch Semendria belagern wollte, überfiel ihn eine tödliche Krankheit. Er starb am 24. November 1494 in Sankt-Clemens. Sein Nachfolger als Temescher Comes, Generalkapitän und Severiner Banus wurde sein Waffenzögling Josef von Somy.

1495 besuchte Wladislaw II. erneut Temeschburg, wo er bei mehreren Gerichtsverhandlungen anwesend war. Im selben Jahr schloss er mit den Türken einen dreijährigen Waffenstillstand. Danach wurde wieder ein siebenjähriger Waffenstillstand mit Bajasid ausgehandelt. Temeschburg führte in dieser Friedenszeit einen bedeutenden Handel mit Siebenbürgen. 1502 nahm unter anderen auch der Temescher Comes von Somy an einem Feldzug gegen die Türken teil. Bei dieser Gelegenheit hatte man die neuen Waffen, die im Temescher Komitat von Zigeunern hergestellt wurden, ausprobiert. Bald aber setzte sich eine Plage ein, die die Bevölkerung schlimm traf; drei volle Jahre, von 1509 bis 1511 wütete im Temescher Gebiet die Pest. Ihr Opfer wurde im ersten Jahr auch der Temescher Comes Josef von Somy. Sein Nachfolger im Amt war Matthias Várday, der aber schon 1511 von Stefan Báthory abgelöst wurde. Unter dessen Amtszeit fand auch der berüchtigte Bauernaufstand Dózsas statt.

Im Jahre 1513 schloss Wladislaw II. mit Sultan Selim I. einen neuen auf drei Jahre befristeten Waffenstillstand. Er sollte aber nicht so lange dauern, weil die Türken ihn immer wieder verletzten und in Ungarn einfielen. Der Graner (Esztergom-er) Kardinal Thomas Bakocz von Erdöd forderte daraufhin die Bestrafung der Türken wegen Friedensbruchs. Er gewann den König für seine Pläne und ging 1513 nach Rom, um von Papst Leo X. finanzielle Hilfe zu verlangen. Anfang des Jahres 1514 kam er aus dem Vatikan mit einer Kreuzbulle in Ofen an. Die Bulle wurde vom Reichstag angenommen und in allen Kirchen vorgelesen. Alle Stände Ungarns wurden aufgerufen, an diesem Kreuzzug teilzunehmen. Die Bauern waren in jener Zeit der Willkür des Adels preisgegeben. König Matthias schützte seinerzeit den Bauernstand, hatte aber dessen Rechte für die Zukunft nicht gesichert. So waren jetzt die Bauern ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten, dem Missmut, Groll und vielen Missbräuchen ausgesetzt, die nur sehr schwer zu ertragen waren.

In dieser Lage nahmen die Bauern den Aufruf zum Kreuzzug als eine Aufforderung zu ihrer Befreiung auf. In kurzer Zeit versammelten sich unter Pest 40.000 und in anderen bischöflichen Städten 30.000 Kreuzfahrer. In Ungarns Geschichte traten sie als „Kuruczen" (vom Wort „crux") ein. Zu ihrem Anführer ernannte Kardinal Bakocz den Szekler Georg Dózsa, auch Székelyi genannt.

Fortsetzung                                                                                                               Anton Zollner