Georgius Siculus (Székelyi) in Temeschburg (8)

Georg Dózsa war als Reiterhauptmann bei Belgrad durch Körperstärke und Verwegenheit aufgefallen. Im Zweikampf hatte er einem Türken die gepanzerte Hand abgeschlagen und diesen dann getötet. Für diese Waffentat wurde er vom König „mit doppeltem Sold, einer goldenen Kette, einem golddurchwirkten Purpurkleid, Sporen, Ehrensäbel und einem Landgut mit vierzig Bauernhöfen im Temescher Komitate belohnt". Dazu wurde ihm auch ein adeliges Wappen mit einer blutigen Hand im Schilde verliehen. Ansonsten beschrieb ihn Franz Liebhard als einen leidenschaftsbewegten Reitersmann, der nicht immer den besten Ruf hatte. Man schrieb ihm besonders Gewalttaten zu. Unter anderem hatte er in Mediasch mehrere sächsische Kaufleute niedergeschlagen und geplündert. Laut einer Familienüberlieferung soll er auch einen sächsischen Königsrichter mit der Peitsche gezüchtigt haben.

Georg Dózsa

Als die Großgrundbesitzer ihre wegen des Kreuzzugs leeren Höfe sahen, begannen sie die zurückgebliebenen Angehörigen der abgegangenen Bauern einer quälenden Behandlung zu unterwerfen. Als diese Nachricht Dózsas Lager erreichte, zog er die weiße Kleidung mit dem roten Stern an, nahm die geheiligte Fahne in die Hand und den Säbel in die andere. Von da an gab es für die Adligen kein Erbarmen mehr. Der „tapfere Ritter, Fürst und oberster Hauptmann des geweihten Kreuzheeres und nur des Königs von Ungarn, nicht der Herren Untertan", wie er sich nannte, erließ von Czegléd aus an sämtlichen Städte, Marktflecken und Dörfer Ungarns ein Manifest, worin er allen, die ihm nicht gehorchten , drohte. Er drohte aber dem Adel nicht nur mit Strafe, sondern er versprach ihm auch: „ ... wir werden ... an den Giebeln Eurer Haustore Euch aufhängen, Euch spießen lassen, wir werden Eure Güter verheeren und vergeuden, Eure Weiber und Kinder umbringen". Dies alles sollte auch wahrgemacht werden. Zügellose Horden überhäuften ihre Wege nur mit Blut und Jammergeschrei. Raubend und mordend zog Dózsa nach Szegedin, zwei weitere Banden plünderten Pest, bzw. zogen gegen Bács. Da die letzteren Rebellengruppen gleich geschlagen wurden, zog Dózsa schnell von Szegedin über die Theiß ins Banat.

1514 wurde laut Berkeszi die Temeschburger Festung zum erstenmal in ihrer Geschichte belagert. Es waren aber nicht die Türken, die es taten, sondern die 70.000 Aufständischen Georg Dózsas. Der genaue Tag, an dem es geschah, ist sehr umstritten. Istvánfy gibt den 15. Juni 1514 an, Feil den 18. und Szerény spricht sogar vom 10. August (!?). Dózsa schlug sein
Lager südöstlich von Temeschburg auf, an dem Ort, der Ulitsch genannt war. Laut Liebhard besetzten die Aufständischen am 16. Juni die von Walachen und Serben bewohnte Große Palanka. Laut Berkeszi soll aber die Kleine Palanka besetzt worden sein. Von hier aus überquerte er die Kleine Temesch (Bega) auf zusammengebundenen Fässern und wollte so die Festung von ihrer schwächsten Seite, von den Sümpfen aus, angreifen. Um die Sümpfe trockenzulegen, wollte Dózsa das Wasser der Kleinen Temesch in die Temesch leiten. Die Grabungen konnten ungestört durchgeführt werden, da wegen der geringen Entfernung die Geschosse der Festung nicht einsatzfähig waren. Als die Festung aber ohne Wasser blieb, entschloss sich der Temescher Comes (der von Tschanad kommend sich noch in die belagerte Festung einschleichen konnte) einen Ausfall zu unternehmen und den errichteten Damm zu zerstören. Danach begann Dózsa , die Kleine Temesch in die Sümpfe abzuleiten.

Bald gingen in der belagerten Festung auch die Vorräte an Nahrungsmitteln aus. Die Stadtbevölkerung überlegte schon, die Festungstore zu öffnen. Dózsa rechnete auch mit einer baldigen Kapitulation, und darum verzögerte er einen Sturm auf die Festung. Man gab sich mit dem Anzünden der Palisaden, mit dem Austausch von Steingeschossen und mit den Schlägen der mauerbrechenden Widder zufrieden. In dieser verzweifelten Lage konnte dem Temescher Comes Stefan Báthory nur noch sein Erzfeind, der siebenbürgische Fürst Johann Zápolya helfen. Als Gegenleistung versprach er, bei der nächsten Königswahl, seine Stimme für Zápolya abzugeben. Dieser war dann am 15. Juli 1514 in der Nähe Temeschburgs angelangt, doch konnte er Dózsa nicht überrumpeln, so dass es zu einer schweren Schlacht kam.

Dózsa stellte eine gut überlegte Schlachtordnung auf, aber der Fürst war auch ein guter Feldherr. Es wurde erbittert gekämpft. Zugleich fiel der aus der Festung kommende Báthory Dózsa in den Rücken. Trotz Mangels an Kriegserfahrungen hielten die Leibeigenen eine Zeitlang stand. Schließlich aber lösten sich die aufständischen Heerscharen allmählich durch
Flucht auf. Dózsa versuchte die Fliehenden aufzuhalten, und zugleich griff er immer an den schwersten Stellen ein. Die Einzelheiten dieser Schlacht bleiben uns für immer unbekannt. Nach den meisten Quellen soll Dózsa seinen letzten Zweikampf mit dem Verwandten Zápolyas und dem späteren Temescher Comes Peter Petrovits geführt haben. Nach Kraushaar hatte dieser dem verzweifelt kämpfenden Dózsa das Schwert entrissen. Danach rang und verteidigte sich der Volksheld mit der Faust, bis ihm Petrovits vom Pferde riss und gefangen nahm. Laut Liebhard soll Petrovits Dózsa mit einer Lanze unterhalb des Harnisches in die Hüfte gestochen haben. Einer anderen von ihm zitierten Version zufolge soll die Lanze Dózsas Schenkel durchbohrt haben. Dabei soll sein Pferd verwundet worden sein, das daraufhin den Reiter aus dem Sattel warf. Über Dózsas Festnahme gibt es auch noch weitere Versionen, die aber weniger glaubwürdig erscheinen. Diese Niederlage von Temeschburg besiegelte das Ende des ganzen Bauernaufstandes. In allen Orten, wo noch gekämpft wurde, hatte man die Aufständischen besiegt.

Der letzte Akt dieses Dramas ist fürchterlich und schauderhaft über die Bühne gegangen. Dózsa wurde zuerst im ersten Stockwerk des Kastells eingesperrt, nach drei Tagen kam er in den unterirdischen Kerker. Um den 20.-24. Juli 1514 wurde laut Liebhard das Urteil auf dem „Richtplatz außerhalb der Festung vollstreckt". Mit Dózsa sollen hier nach Liebhard 20, nach Istvánfy aber nur 9 von 40 seiner Gefährten verurteilt worden sein. Gregor, Dózsas Bruder, wurde vor diesem auf der Stelle enthauptet und mit Äxten in drei Teile zerhackt. In der Anwesenheit Zápolyas setzte man Dózsa mit entblößtem Oberkörper auf einen glühenden Eisenstuhl. Auf das Haupt setzte man ihm eine Eisenkrone, und in die Hand musste er ein Eisenzepter nehmen, die alle ebenfalls gluterhitzt waren. Die schrecklichen Qualen ertrug er bei vollem Bewusstsein und ohne Jammer. Seine Gefährten, die einige Tage ausgehungert wurden, mussten dann das verbrannte Menschenfleisch ihres Anführers essen. Während sie mit ihren Zähnen Dózsas Körper zerfetzten, ließ Zápolya zum „Festmahl" Dudelsackbläser und Rohrpfeifer Tanzweisen aufspielen. Wer sich nicht fügte, wurde auf der Stelle getötet, den anderen versprach man die Freiheit. Einer von diesen, die gehen durften, war laut Liebhard der Schmied Lorenz, mit dem der Historiker Istvánfy fünfzig Jahre später ein Gespräch führte. Der Rumpf Dózsas wurde dann geviertelt und in Ofen, Stuhlweißenburg, Kalocsa und Großwardein zur Schau gestellt. Der Kopf wurde einem Szegediner Verwandten als „Geschenk" zugeschickt. Dieser hatte diesen dann wie ein Heiligtum eine lange Zeit verehrt.

Georg Dózsas Hinrichtung

Nun sind auch heute noch die Meinungen über Georg Dózsa geteilt, für die einen ist er ein Volksheld, der für ein menschliches Leben der Leibeigenen kämpfte, andere aber beschimpfen ihn wegen der Methoden, mit denen er sein Freiheitsideal verwirklichen wollte, als einen grausamen Tyrannen. Die Zahl der Gefallenen, Gehenkten oder auf andere Weise Ermordeten (darunter Frauen und Kinder) soll etwa 40.000 bis 80.000 betragen. Die Zahl der umgebrachten Adligen liegt bei 400. Nach Überlieferung soll sich der Ort, an dem diese grausamen Szenen stattgefunden haben, dort befinden, wo in der Elisabethstadt heute die Statue der Hl. Maria steht.

Fortsetzung                                                                                                                            Anton Zollner