Temeschburg im Kampf gegen das Türkenjoch (12)

Wie auch im Falle der anderen Banater Burgen war man um die Befreiung Temeschburgs vom türkischen Joch bemüht. 1594 versuchter der siebenbürgische Fürst Sigismund Báthory die im Banat lebenden Serben und Walachen zum Aufstand gegen die Osmanen zu bewegen. Der Aufstand brach auch bald aus, und zwar unter der Anführung Theodors von Dazien. Als das Südbanat in ihren Händen war, zogen die Aufständischen zur Betschkereker Burg und schlugen hier die Türken unbarmherzig nieder. Da zog der Pascha von Temeschburg gegen sie zu Felde, wurde aber immer zurückgeschlagen und verlor dabei 25.000 Mann. Da es aber bei den Aufständischen an einer einheitlichen Führung mangelte, gerieten sie in Bedrängnis und baten darum Báthory um Hilfe. Diese kam auch bald unter der Heerführung Moses Székelyis, er blieb aber unbegreiflicherweise an den Grenzen des Banats stehen. So konnte der Pascha mit 30.000 Mann die Aufständischen in die Flucht schlagen.

Am Anfang des Jahres 1595 schloss Báthory mit dem österreichischen Kaiser Rudolf ein Bündnis gegen die Türken und schickte Georg Borbély mit einem beträchtlichen Heer ins Banat. Dieser eroberte einige Südbanater Burgen, und als der Pascha wieder von Temeschburg anrückte, wurden die Türken in die Flucht geschlagen. Als Folge dieses Sieges des siebenbürgischen Heeres ergaben sich mehrere von den Türken besetzte Burgen auch im Nordbanat. Dr. Iliesiu schreibt, dass in jenem Jahr auch die Temeschburger Festung belagert worden sei, doch konnten die Türken erfolgreich Widerstand leisten.

Temeschburg im Jahre 1596 während der Belagerung durch Sigismund Báthory

1596 versuchten die Osmanen die im vorigen Jahr verlorenen Burgen zurückzuerobern. Da erschien laut Kraushaar Báthory selbst im Banat, und nach der Rückeroberung Lippas griff er Temeschburg an. Am 11. Juni 1596 war die Festung von allen Seiten eingeschlossen. Nachdem die Mauern mit Kanonen beschossen wurden, stürmte Báthory die Festung, wurde aber bald zurückgeschlagen.

Dr. Iliesiu begründet diese Niederlage mit der Übermacht der Türken; die Besatzung der Festung zählte 10.000 Osmanen, wobei Báthory nur über die Hälfte verfügt haben soll, und davon sollen 2.082 Fußvolk und 1.146 Reiter gefallen sein. Diese Daten erscheinen aber fragwürdig, wenn man Kraushaars und Griselinis Aussagen beachtet. Vor der zweiten Stürmung der Festung kam ein etwa 20.000 Mann starkes Tatarenheer angerückt. Beide Autoren geben an, dass Báthorys Heer die Tataren in die Flucht geschlagen und ihnen einen Verlust von 10.000 Mann verursacht haben soll. Das konnte aber nicht geschehen, wenn Dr. Iliesius Angaben wahr wären. Nach einer 40-tägigen Belagerung sah sich Báthory gezwungen, die Festung wegen Mangel an Lebensmittel und Belagerungsmaterial aufzugeben.

Im nächsten Jahr schickte der siebenbürgische Fürst Báthory sein Heer unter dem Befehl seines Kanzlers Stefan Josika noch einmal nach Temeschburg, um es zu erobern. Die Belagerung dauerte vom 17. Oktober bis zum 17. November 1597, war aber auch diesmal ohne Erfolg. Zwar stieß Josika bis in die Vororte Temeschburgs vor, aber die Festung musste er wegen des herbstlichen Dauerregens aufgeben. Nach diesem letzten Versuch Temeschburg zurückzuerobern blieben die Osmanen noch ein ganzes Jahrhundert lang die unbestrittenen Herrscher über die Hauptstadt des Banats. Diese diente nur noch als Stützpunkt der Türken für ihre zahlreichen Kampfzüge, die sie in Nord- und Westungarn, aber auch in Siebenbürgen führten.

1683 beschloss Sultan Mohamed das christliche Europa ganz zu unterwerfen, und der erste Schritt bei der Verwirklichung dieses Planes sollte die Besetzung Wiens sein. Das türkische Heer, das aus 200.000 Mann bestand, wurde jedoch am 12. September 1683 unter der Mithilfe des polnischen Königs Sobiesky total geschlagen. Diese Schlacht um Wien war der Anfang vom Ende des Osmanenreiches. Am 2. September 1686 wurde Ofen (Buda) von den Christen gestürmt und zurückerobert, danach folgten Fünfkirchen (Pécs) und Szegedin. Am 12. August 1687 besiegten die Österreicher die Türken bei Mohatsch (Mohács). Ein Jahr später, am 12. August 1688 begann der bayerische Kurfürst Max Emanuel mit der Belagerung Belgrads, die sich am 6. September den Kaiserlichen ergab. Bei der Stürmung Belgrads beteiligte sich auch Prinz Eugen von Savoyen. Nach nur zwei Jahren, 1690, fiel die Belgrader Festung wieder in die Hände der Türken. Bei dieser Gelegenheit flüchtete der Ippeker Erzbischof Arsen Csernovits mit 30.000 „meist serbische Familien" (Kraushaar) in die von Österreich besetzten Gebiete und ließen sich in Syrmien, Slawonien und im Banat nieder.

Laut Karl Kraushaar ließ Sultan Mustafa II. am 20. Juni 1695 ein Heer von 50.000 Mann in Ungarn eindringen. Dieses Unternehmen sollte ein gleichstarkes Heer unter der Anführung des Kurfürsten Friedrich August von Sachsen vereiteln. Im August kam dieser in Peterwardein an, mit dem Auftrag des Wiener Kriegsrates, Temeschburg zu erobern. Bald war aber der Kurfürst bei Lippa angelangt, da ihn die Moräste bei Beodra und Groß-Kikinda verhinderten nach Temeschburg vorzudringen. Im nächsten Jahr versuchte der Kurfürst wieder an Temeschburg heranzurücken. Nachdem er die Sümpfe der Aranka durchquert hatte, begann er am 1. August 1696 Temeschburg zu belagern. Hier erfuhr er aber, dass der Sultan den Belagerten zur Hilfe käme. Er zog den herannahenden Osmanen entgegen und traf sie bei Tschene (Cenei). Eine dreitägige Schlacht endete unentschieden, die christlichen
Verluste beliefen sich auf 1.146 Mann, die Türken hatten doppelt soviele Tote zu beklagen. In diesen Kämpfen kam auch der Temeschburger Pascha um. Beide Seiten waren so geschwächt, dass sie einen weiteren Kampf vermieden.

Da für diese Schlappe der Kurfürst Friedrich August von Sachsen verantwortlich gemacht wurde, entschloss sich der Hofkriegsrat, diesem einen General als Ratgeber zur Seite zu stellen. Dieser war kein Geringerer als der schon berühmt gewordene Prinz Eugen von Savoyen. Kurz danach wählte man den Kurfürsten zum König von Polen, zum Oberbefehlshaber der Kaiserlichen machte man den 35-jährigen Prinzen Eugen. Seinen ersten glänzenden Sieg über die Türken konnte er am 11. September 1697 in der Schlacht von Zenta erringen. Hier fand zugleich auch die Feuertaufe des Hoch- und Deutschmeister-Infanterieregiments statt. Nach dieser Schlacht, die von zwei Stunden vor Sonnenuntergang bis 22 Uhr dauerte, zählten die Türken 20.000 Tote auf dem Schlachtfeld und 10.000 Ertrunkene in der Theiß. Prinz Eugen beklagte laut Kraushaar nur 300 Tote und 1.200 Verwundete. Sultan Mustafa II. musste sich diese schreckliche Niederlage vom linken Ufer der Theiß mit ansehen, ohne eingreifen zu können. Aus Angst floh er nach Temeschburg und hinterließ den Kaiserlichen eine prächtige Kriegsbeute. Der Sultan erkannte die Schwächen seines Heeres, aber auch Prinz Eugen wollte sein Heer in Ruhe überwintern lassen. So kam es dann am 26. Januar 1699 nach langen Verhandlungen zum Friedensvertrag von Karlowitz (heute: Karlovac).

Während der folgenden Friedenszeit befestigten die Türken wieder die Temeschburger Festungsmauern. Türkischen und ungarischen Urkunden zufolge soll der Temeschburger Pascha am 14. November 1705 dafür Hilfe vom Sultan verlangt haben. Der Sultan schickte sofort 50 Bauarbeiter von Belgrad nach Temeschburg, und der walachische Wojwode Constantin Brâncoveanu schickte das nötige Holzmaterial auf 50 Wägen, die von je vier Ochsen gezogen wurden. Ein Jahr später, 1706, erbauten die Türken laut Dr. Iliesiu eine Kaserne mit 41 Räumen, die 2.537 Piaster gekostet haben soll. Das waren aber die letzten Kriegsvorbereitungen der Türken in Temeschburg.

 Fortsetzung                                                                                                                     Anton Zollner