Temeschburg im Befreiungskampf (13)

Am 5. August 1716 errang Prinz Eugen von Savoyen einen herrlichen Sieg über die Türken bei Peterwardein. Er erkannte aber auch bald, dass die Eroberung Temeschburgs unbedingt notwendig war, um das gesamte Gebiet Südungarns von den Türken zu befreien. Darum sandte er Feldmarschall Graf Pálffy mit mehreren Regimenten Fußvolk und Reiterei gegen Temeschburg, um die Festung von jedwelcher Hilfe oder Versorgung abzuschneiden. Der Prinz selbst kam am 26. August 1716 mit dem Hauptheer vor den Festungsmauern an. Er entschloss sich, Temeschburg von der Nordseite, also von der Großen Palanka aus, anzugreifen, da die südliche Seite von Sümpfen umgeben war. Zuerst wurde das Lusthaus des Paschas (auf der heutigen Torontaler Landstraße) eingenommen, wonach Vorbereitungen für die Belagerung getroffen wurden. Am 6. September begann man mit zwei Batterien von 18 Kanonen, die Stadt zu beschießen. Der türkische Stadthalter von Temeschburg, Mustafa Pascha, verteidigte die Stadt mit 18.000 Mann. Am 9. September machte er sogar einen Ausfall, aber bald wurde er wieder zurückgeschlagen.

Temeschburg unter den Türken

Dr. Iliesiu schreibt von einer besonderen Kampftaktik des kaiserlichen Feldherrns. Er soll verordnet haben, dass sich alle seine Trommler und Trompeter vor den Mauern versammeln und laut heitere Musikstücke spielen. Als die neugierige Türken auf die Mauern stiegen, um zu sehen, was draußen geschähe, eröffneten die Österreicher das Feuer, und viele Türken fanden so den Tod.

Am 22. September erhielt Prinz Eugen die Nachricht, dass sich ein türkisches Reiterheer Temeschburg nähere. Graf Max von Starhemberg wurde dem 20.000 Mann starken Reiterheer entgegengeschickt. Auf den Pferden der Türken saßen auch noch etwa 4.000 bis 5.000 geübte Janitscharen als Zweitreiter, und andere Pferde waren mit Schießpulver und Proviant beladen. Graf von Starhemberg konnte den Durchbruch des Feindes dreimal verhindern, und schließlich gelang es ihm, sie ganz zu vertreiben, nachdem sie 4.000 Mann verloren hatten.

Die Erstürmung Temeschburgs sollte am 30. September 1716 unter Prinz Alexander von Württemberg beginnen, aber die Große Palanka ist erst am 1. Oktober gestürmt worden, nachdem das gesamte kaiserliche Heer die ganze Nacht kampfbereit
einem dichten Herbstregen ausgesetzt war. Nach heftigen Gefechten gelang es den Kaiserlichen, die Große Palanka zu erobern, und die Türken zogen sich dann in die Festung zurück. Alle Versuche der Belagerten, die Große Palanka zurückzuerobern, blieben erfolglos, aber es gelang ihnen in der Vorstadt Feuer zu legen, das 8 bis 10 Tage nicht gelöscht werden konnte. Damals brannten in der Großen Palanka 1.200 Häuser ab, woraus zu erkennen ist, dass hier viel mehr Einwohner lebten als in der Festung. Von dieser Schlacht schreibt Dr. Iliesiu, dass während der Kämpfe der Sohn des türkischen Festungskommandanten schwer verwundet worden sei. Prinz Eugen soll ihm einen Chirurgen geschickt haben, wofür ihm der Türke seinen jüngsten Sohn als Geisel und sechs Pferde als Geschenk geschickt haben soll. Die Kaiserlichen hatten nach diesen Kämpfen über 400 Tote und 1.327 Verletzte zu beklagen.

In den nächsten Tagen ließ Prinz Eugen die Vorbereitungen zur Stürmung der Festung durchführen, zugleich wurden die Mauern aus allen Seiten, wo es nur möglich war, mit Kanonen beschossen. Am 11. Oktober wurde dann mit aller Kraft aus allen verfügbaren Kanonen der Kaiserlichen auf die Festung geschossen. Die Türken erwiderten diesen Angriff anfangs nur sehr spärlich. Nachdem sie aber ihre zerstörten Kanonen repariert hatten, begannen auch sie , intensiv zu erwidern, besonders nach Einbruch der Nacht. Da nun wegen des andauernden Herbstregens die Schützengräber mit Wasser gefüllt waren, dachte Prinz Eugen über einen Abbruch der Belagerung Temeschburgs nach. Die weitere Belagerung schien aussichtslos, nachdem die Kaiserlichen schon 2.407 Tote und 4.190 Verwundete zu beklagen hatten.

Ganz unerwartet und überraschend erhielt Prinz Eugen am 13. Oktober 1716 vom Prinzen Alexander von Württemberg die Meldung, dass die Türken auf einem der Wehrtürme eine weiße Fahne gehisst hatten. Das war das erfreuliche Zeichen, dass an diesem 48. Tag der Belagerung über Temeschburg nach einer 164-jährigen Nacht des Halbmonds wieder die Sonne strahlend aufging.

Lageplan Temeschburgs von Matthäus Seutter
Kupferstich um 1730 - Augsburg

 Die Texte aus Seutters Kupferstich:

Oben links:

 „ Temeswaria Oppidum superioris Hungariae in Comitatu Temesiensi ad Temesium flumen; natura et arte munitum jure Belli in Potestatem Caesaris redactum, opera et sumtibus M. Seutter S. Caes Maj. Geographi Augustae Vindel.

 Temeswar eine in Ober Ungarn an dem Fluß Temes, u: um und um in Morast liegende auch ohnvergleichlich befestigte Stadt: seit 1718 in den Großmächtigsten Schutz Kayser CARL des VI. widergebracht, heraus gegeben M. Seutter Kayserl Maj. Geogr. zu Augsburg."

Oben mitte:

 „Anj???im Verlag bey TOB. CONR. LOTTER Geogr. ?? Augsburg"

Oben rechts:

 „Die Stadt Temeswar in Ober Ungarn, hat ihren Namen von dem Fluß Temes, woran es liegt, bekommen, ist zwische der Donau u: Siebenbürge in d. Mitte: wege des umher liegende Morast vo Natur ohnvergleichl.befestigt; bestehet aus 3 Theil, neml. d. Insul od: Raitzen, der eigentliche Stadt u: dan dem Veste Schloß: überhaupt vo Schloß: überhaupt vo mittelmäßiger Größe, aber herrliche Mauern, tieffe Wasser.Gräbe u: absonderlichen Palanken fortificirt.

Ihr Alterthum u. was vor ein Ungarischer Kön: selbe erbaut, ist sehr ungewiß: doch war sie jederzeit eine wohlverwahrte Vormauer wider die Bulgarer u: anderer benachbarte Völckern Einfälle; wie den in der Ebene vor dieser Stadt die Türke 2 mal nemlich 1400 u: etl. u: 60. und 1590. als sie der Vestung zu Entsatz kamen geschlage wurden: Ao 1551. wurde sie vo den Türcken wiewohl vergebens belagert, doch ward sie im folgenden Jahr mit gewissen Verträg. Articulen überlassen, welche sie doch treuloser weiß gehalten, indem sie so wohl die Besatzung als auch dererselbe Comendante schändlich umgebracht.

Erst Ao 1697 haben die Christen diesen Ort suche durch eine Belagerung zu erobern, war aber auch vergebens, biß sie gleichwohl 1716 nach glückl. erlangte Schlacht bey Peterwardein nochmals die Hand an den Ort legten, auch solchen besagten Jahr d. 12 Obr. eroberten nachdem die Türcken solchen Ort 167 Jahre innen gehabt - wie dan in dem Friedens Schluß zu Passarowitz 1718 d. 21 July solcher dem Römischen Kayser als Ungarischen König wider eingehändigt worden; seit welcher Zeit auch die Christliche religion durch abschückung unterschiedlicher Missionarien eingeführt, wie den auch der Ort selbst mehr und mehrers befestigt worden.

Unten rechts:

 A. Die Stadt.
 B. Das Schloß.
 C. Kleine Palanka.
 D. Große Palanka.
 E. Ein großes Wach Haus in dem Graben, albwo ein sehr treffliche Brust Währ, um alles viel besser zu erkennen und zu unterscheiden.
 F. Drey Waffen Plätz im Schloß, und eine kleine Palanka gegen die Gräben zu.
 G. Eine große Brugg von 500 Ruthen über die Morast.
 - Die letzten zwei Reihen sind unleserlich -

Fortsetzung                                                                                                               Anton Zollner