Die Sankt-Katharinen-Kirche
- das zweitälteste mittelalterliche Gotteshaus Temeschburgs -

Die Kirche, die der Hl. Katharina geweiht war, soll laut Dr. István Berkeszi schon im 14. Jahrhundert ungefähr an der Stelle gestanden haben, an der heute am „Boulevard des Sieges“ (Bulevardul Victoriei – früher Blv. Constantin Diaconovici Loga) Ceausescus Luxusvilla steht. In dieser Kirche soll 1317 Maria Katharina, die erste Gemahlin Königs Karl Robert von Anjou bestattet worden sein. Laut Dr. Nicolae Iliesiu soll sie einen achteckigen Turm gehabt haben, so wie es „auf alten Ansichtskarten zu erkennen sei“. Franz Engelmann behauptet, dass sich damals die Katharinenkirche mit dem dazugehörenden Kloster am äußersten Südostzipfel der Großen Palanka befand. Das Stadtviertel nannte sich nach der Kirche Katharinenstadt.

Die Katharinenkirche und das Kloster nach der Wandtafel von Johann Geschwind - 1766
(aus "Unser 'Alt-Temesvar'" von Bela Schiff)

In der Türkenzeit ist die Kirche in eine Moschee umgewandelt worden. Nach der Befreiung Temeschburgs vom türkischen Joch durch Prinz Eugen von Savoyen, im Jahre 1716 wurde das Gebäude anfangs als Salzlager und danach als Pulverturm  benützt. 1722 übergab man die Kirche dem „Unteren“ Franziskaner-Orden (auch Salvatorianer genannt), der auch das von Engelmann erwähnte Kloster anbaute. 1724 begann man mit der Errichtung der neuen Temeschburger Festungsmauern, und die Kirche stand diesem militärischen Neubau im Wege. Aus diesem Grund musste sie 1757 abgetragen werden. Mit der Katharinenkirche verschwand Temeschburgs letzte Kirche aus der Zeit der Türkenherrschaft. Im Unterschied zur 1716  durch die Kriegsereignisse zerstörten alten Franziskanerkirche und der 1739 durch den Erdbeben zerstörten Sankt-Georgs-Kirche wurde an Stelle der Sankt-Katharinen-Kirche niemals eine neue Kirche gebaut.

An der Stelle, an der die Kirche gestanden hat, errichtete man 1763 einen dreieckigen Obelisk mit einem eisernen Kreuz an der Spitze. Der Obelisk wurde aus Sandstein hergestellt, und auf seinen drei Seiten standen folgende lateinische Texte:

1. Trophaeum solo aequatae sacrae aedis Chatarinensis, in qua sacrificare Deo florente Eugenio, Carolo sexto dominante Signo Reformatos Fratres coepisse Minores (Ein Denkmal für die Sankt-Katharinen-Kirche, die dem Erdboden gleichgemacht worden war, in welcher wie ich kenntlich mache, die wenigen Brüder nach ihrer Wandlung angefangen haben, Gott zu opfern in der Blütezeit des Eugen und unter der Herrschaft Karls VI.).
2. Sed Maria Theresia apostolica Regni coronata Regina, hos in praesidio locat et patrocinio ambit (Aber Maria Theresia, die gekrönte Königin des apostolischen Reiches, stellt diese als Schutz auf und bittet um ihren Beistand).
3. Defunctis, quorum hic Cineres ac ossa recondo, Aeternam requiem ore et corde precare viator (Wanderer, bete mit Mund und Herz um die ewige Ruhe für die Verstorbenen, deren Asche und Gebeine ich hier berge).

Das 1763 errichtete Obelisk, das die Stelle anzeigt, an der einst die Katharinenkirche stand

1849, während der Belagerung Temeschburgs hatten die ungarischen Revolutionäre den Obelisken sehr beschädigt. Eine Restaurierung wurde erst 1851 durchgeführt. Nach 1903, als die „Höhere Töchternschule“ (später: „Carmen Sylva“-Mädchenlyzeum; heute: „Eftimie Murgu“-Lyzeum) erbaut wurde, stand der Obelisk unmittelbar vor diesem Neubau. 1933, bei der Errichtung des C. D. Loga-Boulevards, stand das Denkmal den Straßenbauern im Wege. Aus diesem Grund musste es einige Meter in Richtung des in der Nähe gelegenen Stadtparks (heute: Pionierpark) verlegt werden.

Der Katharinenobelisk auf seinem derzeitigen Platz im Innenstädtischen Friedhof
(eine Reproduktion nach Wilhelm Weber)

Leider musste das Denkmal, das bis Ende der ’60-er Jahre hier verlassen und dem Verfall preisgegeben war, nach über 30 Jahren wieder auf Wanderschaft gehen. Wie die ungarische Tageszeitung „Temesvári új szó“ (Nr.23) am 21. Januar 1990 berichtete, musste dieses wertvolle Denkmal dem Größenwahn des Ex-Diktators Ceausescu weichen. Es wurde für  die Luxusvilla des „Großen Führers“ geopfert und galt eine Zeit lang für die Temeschburger Bürger als verschollen. Bald wurde aber bekannt, dass der Obelisk zur Zeit in einem verwahrlosten Zustand im gewesenen Innenstädtischen Römisch-katholischen Friedhof steht, unbeachtet von den Neubürgern Temeschburgs, denen diese Ruhestätte der Innenstädtischen Pfarrei nach ihrer Enteignung nun gehört.

Januar 1990                                                                                                            Anton Zollner